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Panorama Lübecker Schüler nach Vergewaltigung in London in Haft
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17:53 12.05.2010
Briten ermitteln gegen zwei Schüler der Emil-Possehl-Schule in Lübeck wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.
Briten ermitteln gegen zwei Schüler der Emil-Possehl-Schule in Lübeck wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung. Quelle: dpa
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Schwere Vorwürfe gegen zwei Gymnasiasten aus Lübeck: Während einer Klassenfahrt nach Großbritannien sollen sie ein 14 Jahre altes Mädchen vergewaltigt haben. Die beschuldigten Jugendlichen sitzen seit Freitag vergangener Woche in London in Untersuchungshaft. Ein Anwalt versucht, sie gegen Kaution freizubekommen. Am heutigen Mittwoch ist ein Verhandlungstermin vor dem „Westminster Magistrate Court“ angesetzt.

Die britische Polizei belastet die 19 Jahre alten Lübecker schwer. Während der Studienfahrt des zwölften Jahrgangs der berufsbildenden Emil-Possehl-Schule sollen sie die Schülerin sexuell schwer misshandelt haben. Tatort ist ein Londoner Jugendhotel, in dem sowohl die Lübecker Schüler als auch die Klasse des Opfers untergebracht waren. Der Bremer Schulsenator bestätigte am Dienstag, dass es sich bei dem Opfer um ein 14-jähriges Mädchen aus der neunten Klasse einer Realschule handelt. „Das Mädchen ist mittlerweile wieder zu Hause und wird medizinisch und psychologisch betreut“, sagt er.

Nach Angaben der Londoner Polizei habe das Mädchen am Donnerstag vergangener Woche mit zunächst fünf 18 und 19 Jahre alten Lübeckern in dem „Youth Hostel“ gefeiert. Dabei seien auch größere Mengen Alkohol geflossen – trotz strikten Alkoholverbots in dem Jugendhotel. Im Laufe der Nacht soll es dann zu der Vergewaltigung des Mädchens gekommen sein. Britischen Behörden zufolge soll es von den Schülern aus Schleswig-Holstein auch zum Oralsex gezwungen worden sein. An der Glaubwürdigkeit des Mädchens hat die Londoner Polizei offenbar keinen Zweifel.

Die 14-Jährige habe sich unmittelbar nach der Tat ihrer Lehrerin anvertraut, die sofort die Behörden alarmierte. Noch in der Nacht nahmen Ermittler zunächst fünf Schüler fest, setzte allerdings drei von ihnen wieder auf freien Fuß. Eine unmittelbare Tatbeteiligung war ihnen nicht nachzuweisen, sagte ein Polizeisprecher. Gegen zwei 19-Jährige, Arman P. und Azad E., wurde indes Haftbefehl erlassen.

„Mitten in der Nacht wurden wir von britischen Polizisten aus dem Schlaf gerissen. Wir mussten alle Fragen beantworten, ob wir dabei waren oder etwas mitbekommen haben“, berichtet ein Mitschüler der beiden Verdächtigen. Der 20-Jährige hält die Anschuldigungen für haltlos. „Ich kenne die beiden gut. Die machen zwar gern einen drauf, aber eine Vergewaltigung traue ich ihnen nicht zu.“ Der Schock in der Klasse sei groß. Einige Schüler werden vom schulpsychologischen Dienst betreut. Die britische Polizei prüft jetzt, ob die Verdächtigen ihre Tat möglicherweise sogar geplant und ihr Opfer gezielt mit Alkohol abgefüllt haben. Überdies wurden die Handys der Lübecker Schüler beschlagnahmt. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, die Vergewaltigung mit einer Handykamera gefilmt zu haben.

Die britischen Behörden haben das Auswärtige Amt in Berlin über den Vorfall informiert. „Wir stehen über unsere Botschaft in London mit den betroffenen Familien im Kontakt und haben Hilfe bei der Vermittlung von Anwälten und Dolmetschern angeboten. Auch Besuche der Inhaftierten sind möglich“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Angehörige der Lübecker Schüler seien inzwischen in London eingetroffen. Beide Verdächtige würden von britischen Anwälten vertreten. Heute Vormittag sollen Arman P. und Azad E. noch einmal dem „Magistrate Court“ vorgeführt. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die britischen Behörden gegen Zahlung einer Kaution die Freilassung der beiden Verdächtigen in Aussicht gestellt haben. Offenbar will die Justiz das Verfahren allerdings selbst führen und nicht an die deutschen Behörden abtreten. Bei einer Verurteilung in Großbritannien drohen den Gymnasiasten bis zu zehn Jahre Haft.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hat indes ein eigenes Ermittlungsverfahren gegen die Schüler eingeleitet. Das Kieler Bildungsministerium hat gestern den Schulleiter der Erich-Possehl-Schule und die beiden Lehrkräfte, die die Schüler auf der Klassenfahrt begleitet hatten. befragt. „Wir müssen den Vorfall minutiös aufbereiten und werden prüfen, ob die Lehrer ihre Aufsichtspflicht verletzt haben“, sagte ein Ministeriumssprecher. Bislang gebe es dafür allerdings noch keine Hinweise.

Bastian Modrow