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Panorama Lebenslange Haftstrafe für Doppelmörder
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15:07 11.05.2012
Für den Mord an seiner 20-jährigen Tochter und ihres Ehemannes muss der 58-jährige Vater lebenslang ins Gefängnis.
Für den Mord an seiner 20-jährigen Tochter und ihres Ehemannes muss der 58-jährige Vater lebenslang ins Gefängnis. Quelle: Schaarschmidt (Symbolfoto)
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Oldenburg

Ein Familienvater pakistanischer Herkunft muss lebenslang ins Gefängnis, weil er seine 20 Jahre alte Tochter und ihren Ehemann umgebracht hat. Er beging die Tat, weil er sich durch die Heirat gekränkt fühlte. Das Oldenburger Landgericht stellte am Freitag auch eine besondere Schwere der Schuld fest - damit ist eine vorzeitige Haftentlassung des 58-Jährigen Vaters bei guter Führung ausgeschlossen.

Der Mann hatte das junge Paar 2003 im Kreis Vechta erstochen. Richter Sebastian Bührmann schloss aus, dass der Vater im Affekt handelte. „Die Tochter wollte mit dem Mann leben, darum musste sie sterben", sagte der Richter. Die junge Frau habe in Todesangst gelebt. Sie starb nach einem Messerstich ins Herz. Den Schwiegersohn trafen zehn Messerstiche, davon ging einer ins Auge.

Die kluge Frau habe früher mit ihrem Vater über den Koran und die Stellung der Frau diskutiert, sagte der Richter. „Sie verstand auch das Grundrecht der Freiheit. Dazu zählt als Minimum, dass jeder selbst entscheiden kann, wen er heiraten will." Niemand anderes dürfe darüber richten, betonte Bührmann.

Die Vorstellungen des Vater hätten jedoch nicht zu denen der Tochter und den Werten in Deutschland gepasst. „Mädchen und Jungs haben hier gleiche Rechte auf Schule oder Heirat. Das Recht seiner Tochter auf Selbstbestimmung hat er nicht verwinden können", machte der Richter deutlich.

Der Mann habe zudem das Vertrauen des Paares ausgenutzt und es zu sich nach Hause eingeladen. Die Tochter habe noch gehofft: „Nun wird vielleicht doch alles gut", sagte Bührmann. Doch tatsächlich habe der Vater seine Absichten dem Sohn angedeutet: „Die Beute ist in mein Haus gekommen, ich werde sie nicht mehr gehen lassen."

Nach der Tat flüchtete der Mann über Amsterdam in sein Heimatland und wurde dort 2008 festgenommen. Erstmals in der Justizgeschichte wurde er als Tatverdächtiger im August 2011 nach Deutschland ausgeliefert. Die Haftbedingungen in Pakistan nannte Bührmann grauenvoll und menschenunwürdig. Daher seien sie im Verhältnis 1:3 in Deutschland anzurechnen.

Die Staatsanwaltschaft hatte von einem „Motiv auf sittlich niedrigster Stufe" gesprochen und auf lebenslang plädiert. Die Verteidigung wertete die Tat als Totschlag, da sie nicht geplant, sondern spontan geschehen sei.

dpa

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