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Panorama Lebenslange Haft im Holzklotz-Prozess - Verteidiger kündigt Revision an
Mehr Welt Panorama Lebenslange Haft im Holzklotz-Prozess - Verteidiger kündigt Revision an
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07:45 22.05.2009
Blumen auf der Brücke über die A29, von der der jetzt Verurteilte den Klotz warf.
Blumen auf der Brücke über die A29, von der der jetzt Verurteilte den Klotz warf. Quelle: David Hecker/ddp
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Der 31 Jahre alte Nikolai H. hatte sich wegen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Mord in drei Fällen sowie vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten müssen. Er wurde in allen drei Punkten für schuldig befunden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte den Holzklotz am 23. März vergangenen Jahres von einer Brücke auf die A 29 geworfen hatte. Das Geschoss durchschlug die Windschutzscheibe eines Autos und tötete die 33-jährige Beifahrerin. Der Ehemann und Fahrer des Wagens sowie die zwei auf der Rückbank sitzenden Kinder des Opfers blieben unverletzt. Die Familie befand sich auf der Heimfahrt ins westfälische Telgte. Sie hatte über Ostern Freunde in Wilhelmshaven besucht.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann verwies in seiner Urteilsbegründung auf das Geständnis, das der 31-Jährige bei der Polizei abgelegt und später widerrufen hatte. Außerdem habe eine bodenkundliche Untersuchung ergeben, dass der Holzklotz vom Grundstück des Angeklagten stammte. Ein weiteres Indiz für die Schuld des Angeklagten seien die ausgewerteten Handyeinwahldaten, die belegten, dass Nikolai H. zur Tatzeit auf der Brücke gewesen sei.

Der Richter sprach dem Ehemann der Getöteten sein Mitgefühl aus. Dieser habe geistesgegenwärtig reagiert als er den Wagen nach dem Unglück zum Stehen gebracht hatte. „Sie haben das Leben ihrer Kinder gerettet, das Leben ihrer Frau konnten Sie nicht retten“, sagte der Richter. Was bleibe, sei eine „grauenvolle, sinnlose Tat“.

Mit dem Urteil rund 14 Monate nach der Tat folgte das Gericht dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte wegen nicht ausreichender Beweise Freispruch gefordert.
Nikolai H. hatte sich rund zwei Wochen nach dem Holzklotzwurf vom als Zeuge bei der Polizei gemeldet. Im Mai 2008 wurde er dann als mutmaßlicher Täter festgenommen. Im Verhör gestand er die Tat zunächst. Wenige Wochen später widerrief er sein Geständnis jedoch. Das Urteil nahm der Angeklagte ohne jede äußere Regung an.

Nach dem Urteil hat die Verteidigung Revision angekündigt. „Klar, ich werde auf jeden Fall Revision beantragen“, sagte Pflichtverteidiger Matthias Koch im Anschluss an die Verhandlung. Zur Begründung könne er noch nichts sagen, er müsse zunächst noch Detailfragen klären und die genaue Urteilsbegründung abwarten.

ddp/lni