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Panorama Lebenslange Haft für versuchten Mord an drei Kindern
Mehr Welt Panorama Lebenslange Haft für versuchten Mord an drei Kindern
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15:30 09.12.2009
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Weil er seine drei schlafenden Kinder mit einem Zimmermannshammer erschlagen wollte, ist ein 41-Jähriger vom Kasseler Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer befand den aus dem nordhessischen Twistetal stammenden Mann am Mittwoch des dreifachen versuchten Mordes aus Heimtücke und niederen Beweggründen für schuldig. Der Vorsitzende Richter sprach von einem Motiv „auf sittlich tiefster Stufe“: Die Kinder sollten sterben, weil der 41-Jährige sie seiner Ex-Frau nicht gönnte.

Eine besondere Schwere der Schuld, die die Haftentlassung nach 15 Jahren verhindert hätte, stellte das Gericht jedoch nicht fest. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft behielten sich die Revision gegen die Entscheidung vor.

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„Zugeschlagen hat er aus Verärgerung und Selbstmitleid, aus Wut und Hass auf seine Frau“, sagte der Richter. Der blutige Angriff auf die drei Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren im April dieses Jahres sei für den Angeklagten lediglich „Mittel zum Zweck“ gewesen: „Es sollte die Kindesmutter treffen und eigentlich nicht die Kinder.“ Am Tag der blutigen Tat hatten die Kinder den in Scheidung lebenden Mann in seiner Wohnung in Twistetal besucht, waren tagsüber mit ihm in ein Wildgehege gefahren und abends von ihm ins Bett gebracht worden. Nachdem sie eingeschlafen waren, schlug der Vater mit einem 500 Gramm schweren Hammer auf die Köpfe der Kinder ein.

Der Mann hatte vor Gericht behauptet, dass er in jener Nacht eigentlich einen „erweiterten Selbstmord“ geplant habe: Aus Frust über Scheidung, Arbeitslosigkeit und Einsamkeit habe er sich selbst umbringen wollen. Weil er aber seinen Kindern ein Aufwachsen ohne Vater ersparen wollte, sei er zuerst auf sie losgegangen und habe danach nicht mehr die Kraft zur Selbsttötung gehabt. Dieser Darstellung schenkte die Strafkammer jedoch keinen Glauben. Es liege im Wesen des mehrfach vorbestraften Angeklagten, es andere spüren zu lassen, wenn er nicht bekomme, was er wolle. Früher habe er seinem Ärger durch das Zerstechen von Autoreifen oder Brandstiftung Luft gemacht habe.

Am Tag nach der Tat hatte sich der 41-Jährige mit den Worten: „Ich habe meine Kinder umgebracht!“ in einem Kasseler Gefängnis gestellt. Weil die beiden Töchter und der Sohn daraufhin gerade noch rechtzeitig in Spezialkliniken gebracht werden konnten, ersparte das Gericht dem Angeklagten die besondere Schwere der Schuld. „Er hat, wenn auch unwillentlich, dazu beigetragen, dass die Kinder gerettet werden konnten“, sagte der Richter. Allerdings würden wohl bei allen drei Opfern bleibende Schäden zurückbleiben.

Die Staatsanwaltschaft hatte neben der lebenslangen Haft auch das Feststellen der besonders schweren Schuld verlangt. Die Verteidigung dagegen hatte zwar ebenfalls den Mordversuch eingeräumt, aber auf eine zeitlich begrenzte Gefängnisstrafe von höchstens 15 Jahren plädiert.

ddp