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Panorama Lebenslänglich für Dreifachmord in Kleingartenkolonie
Mehr Welt Panorama Lebenslänglich für Dreifachmord in Kleingartenkolonie
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16:48 07.05.2009
Urteilsverkündung: Wilfried R. (Mitte), im Gerichtssaal des Landgerichts in Hildesheim neben seinen Anwälten. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Im Prozess um den Dreifachmord in einer Gifhorner Kleingartenkolonie hat das Landgericht Hildesheim den angeklagten Rentner Wilfried R. zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Außerdem stellte das Gericht am Donnerstag bei dem 66-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld fest. Das bedeutet, dass eine Entlassung nach 15 Jahren Haft gesondert geprüft werden muss. Der Mann wurde schuldig gesprochen, nach einem Nachbarschaftsstreit unter Kleingärtnern im vergangenen September ein Ehepaar und deren Sohn erschlagen zu haben. Die Verteidigung kündigte Revision gegen das Urteil an.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl begründete die Entscheidung damit, dass der Angeklagte „brutal“ nicht nur einen, sondern gleich drei Menschen getötet habe. Während des Prozesses habe er überdies nicht die „geringste Unrechtseinsicht“ gezeigt. Es spreche für eine Handlung aus niederen Beweggründen, jemanden umzubringen, nur weil dieser aus Sicht des Angeklagten gegen Regeln verstößt. Anders als die Verteidigung zeigte sich der Vorsitzende Richter auch davon überzeugt, dass bei dem 66-Jährigen keine Persönlichkeitsstörung vorliegt.

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Seit Jahren hatte es unter den Gartennachbarn immer wieder Auseinandersetzungen um Nichtigkeiten gegeben. Wilfried R., der sich berufen sah, nach eigenem Gusto für Recht und Ordnung zu sorgen, gab sich dabei nach den Worten des Richters, „herrisch“ und reagierte „ausgesprochen cholerisch“. Dabei fielen Äußerungen, wonach er der „General“ und die anderen nur „die Stoppelhoppser“ auf dem Gartengelände seien. Pohl erinnerte in der Urteilsbegründung daran, dass es bei den Streitereien, bei denen es unter anderem um die Eigentumsrechte an einem Stichweg ging, immer wieder heftige verbale Attacken auf die späteren Opfer gab.

So habe der Angeklagte bereits Jahre vor der Tat Sätze fallenlassen wie „Die K’s. reizen mich bis aufs Blut. Irgendwann vergesse ich mich, und dann schlage ich sie alle tot.“ Genau das geschah am 22. September vorigen Jahres, als Wilfried R. dem 33 Jahre alten Sohn der Familie K. im Garten auflauerte, weil er diesen zu unrecht verdächtigte, Grünschnitt vor seinem Grundstück entsorgt zu haben. Mit einem Eichenknüppel habe er diesen dann „völlig überraschend“ angegriffen und auf ihn eingeschlagen, sagte Richter Pohl.

Die nach den Hilferufen des Sohnes herbeieilenden Eltern schlug der Angeklagte ebenfalls mit mehrfachen Schlägen gegen den Kopf nieder. Der Vorsitzende Richter nannte die Aussage des Angeklagten, der die Tat gestanden hat, aber nur aus Notwehr gehandelt haben will, „unglaubwürdig“.

Nebenklagevertreter Bernd Eickelberg, der die während des Prozesses anwesenden beiden Söhne der getöteten Familie vertrat, sagte, die Tat sei vom Gericht mit dem „einzig angemessenen“ Strafmaß geahndet worden. Wiedergutmachung könne es in so einem Fall ohnehin nicht geben. Der 27 Jahre alte jüngste Sohn der Familie sagte, aus seiner Sicht sei am letzten Verhandlungstag eine gewisse Gebrochenheit im Gesicht des Angeklagten zu erkennen gewesen. Wilfried R. hatte die Urteilbegründung über weite Strecken mit geschlossenen Augen verfolgt.

ddp