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Panorama Laserpointer gefährden Flugzeuge
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19:53 08.10.2009
Von Mathias Klein
Blendattacken mit Laserpointern auf Piloten im Landeanflug häufen sich.
Blendattacken mit Laserpointern auf Piloten im Landeanflug häufen sich. Quelle: ddp (Archiv)
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Dabei wird der Laserstrahl auf das Cockpit von startenden und landenden Verkehrsmaschinen gerichtetet, berichtete die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt, Kristina Kelek. „Das ist sehr gefährlich“, sagte sie. Ein Pilot könnte so stark geblendet werden, dass er die Kontrolle über das Flugzeug verliert.

Eine offizielle Statistik gibt es noch nicht. Nach Keleks Angaben sind der Flugsicherung in den vergangenen Wochen rund 20 Vorfälle von Piloten gemeldet worden. Besonders stark betroffen sind die Flughäfen in Hamburg sowie die beiden Berliner Airports Tegel und Schönefeld. Flugzeuge, die in Hannover-Langenhagen starten oder landen sind von den Attacken bislang verschont geblieben. „Zum Glück ist noch nichts passiert“, sagte Flughafensprecherin Anika Gerstenkorn am Donnerstag.

Die Verursacher einer Blendattacke zu fassen, ist schwierig. Die Laser wirken bis zu einer Entfernung von fünf Kilometern. Bis der Pilot über den Tower des Flughafens die Polizei verständigt hat, sind die Täter meist geflohen. Dennoch gelang es der Polizei jüngst in Berlin eine Verursacherin zu fassen. Ein 15-jähriges Mädchen hatte vor Kurzem vom Balkon der elterlichen Wohnung aus die Piloten einer anfliegenden Linienmaschine geblendet. „Sie sagte, dass sie es aus Spaß einfach mal ausprobieren wollte“, berichtete Thomas Neuendorf, Sprecher der Berliner Polizei.

Der Laserpointer, den das Mädchen benutzt hatte, war glücklicherweise nicht besonders stark, sagte Neuendorf. Eine besondere Gefahr geht von grünen Laserpointern aus, die eine Strahlleistung von mehr als einem Milliwatt besitzen, erläuterte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. „Das sind echte Waffen“, sagte er gestern. Durch die modernen Laser mit einer Reichweite von mehreren Kilometern werde die Landung erheblich gefährdet. Die Blendattacke mit einem Laser könne die Sehfähigkeit der Cockpitbesatzung stark gefährden. Dadurch könne das ganze Flugzeug in Gefahr gebracht werden, weil fast alle Landungen manuell gesteuert werden. Die Blendeffekte können bis zu mehreren Minuten bei den Piloten anhalten. Auf der griechischen Insel Rhodos musste im Sommer ein Pilot nach einer Laserattacke seinen Landeanflug abbrechen und durchstarten.

Außerdem könnten Piloten erblinden, wenn sie der Strahl ins Auge trifft. „Hochleistungslaserpointer stellen eine Waffe dar und müssen daher vom Gesetzgeber auch als Waffe eingestuft werden“, forderte Handwerg. Es gebe keine private Anwendung, zu der man einen Hochleistungslaser benötige. Große Sorge herrscht auch beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig. Die Blendattacken seien eine Straftat, die als gefährlicher Eingriff in den Flugverkehr gewertet werden, berichtete Sprecherin Cornelia Cramer. Außerdem sei die Benutzung dieser Geräte im Umkreis von 1,5 Kilometern um Flughäfen verboten.

Laserangriffe sind weltweit schon länger bekannt. Der Weltverband der Piloten meldete für das Jahr 2007 weltweit rund 600 Fälle. Piloten-Sprecher Handwerg befürchtet eine weitere Zunahme. Es seien auch nicht nur Kinder oder Jugendliche, die Piloten blenden. Er berichtete von einer Blendattacke in Buffalo in den USA. Nachdem der Pilot geblendet worden war, machte sich die Besatzung eines Polizeihubschraubers auf die Suche nach den Täter. Auch die Polizisten wurden geblendet, sie konnten dann aber doch drei Männer fassen. Zwei der Täter waren älter als zwanzig, einer 40 Jahre alt.