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Panorama Landkreis Nienburg räumt Unterkunft von ukrainischen Obstpflückern
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21:50 23.08.2011
Quelle: Landkreis/dpa
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Nienburg

Die Paletten dienten als Treppe und waren der Aufgang zum Obergeschoss. Räume und Mobiliar der Unterkunft hätten der Güte dieser Treppe entsprochen, teilte das Hauptzollamt Osnabrück am Dienstag mit. „Die Papiere der Ukrainer waren in Ordnung“, sagte Zoll-Sprecher Martin Brug. Ganz anders die Unterkunft: „Geschlafen wurde überwiegend auf dünnen Matratzen. Für die 16 jungen Frauen und Männer waren nur eine Toilette und eine Dusche vorhanden. Strom gab es in den Räumen nur teilweise. Auch warmes Wasser floss nur sporadisch.“

Auf das Quartier der jungen Ukrainer war ein Zöllner aufmerksam geworden, der einen der Erntehelfer zu dem Haus begleitet hatte. Der Ukrainer hatte dem Zöllner seine Stundenaufzeichnungen übergeben. Der Zöllner informierte sofort den Landkreis. Mitarbeiter des Fachdienstes für Bauordnung beschlossen nach einer kurzen Besichtigung am Freitag, das Haus sofort räumen zu lassen.

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Landkreis-Sprecherin Anita Hartmann bestätigte die Räumung: „Für das Haus lag keine Genehmigung als Wohnung vor. Zudem gab es Schäden an der Decke zwischen dem Erd- und dem Obergeschoss, keinen Rettungsweg“, sagte sie. In dem Haus habe Einsturzgefahr bestanden. Das Gebäude sei sofort geräumt worden. Die Ukrainer seien anderweitig untergebracht worden.

Der Zoll hatten den Obstbetrieb bereits am vergangenen Donnerstag routinemäßig auf Schwarzarbeit kontrolliert. Die Erntehelfer lebten seit fast zwei Monaten in der Behausung. Nach Informationen der Zeitung „Die Harke“ handelt es sich bei dem Heidelbeerbauer um den Laatzener Axel H. Der räumt ein: „Natürlich ist das keine Luxusunterkunft. Aber dafür konnten die Arbeiter dort umsonst wohnen“, sagte H. gegenüber dieser Zeitung.

Keiner der Arbeiter habe sich bisher bei ihm beschwert. „Die Treppe aus Holzpaletten ist nur provisorisch angelegt, damit die Arbeiter nicht über eine Leiter in ihre Schlafräume klettern müssen.“ Eine feste Treppe sei geplant gewesen. Doch da die Saison zehn Tage früher als erwartet begonnen habe, hätte alles etwas schneller gehen müssen. „Die Treppe war aber stabil gebaut. So etwas gibt es auf jeder Baustelle“, meint der Obstbauer.

Am Eingang zur Heidelbeerplantage wehte am Dienstagnachmittag eine Deutschlandflagge im Wind. Das Tor stand auf, der Verkaufsstand und die Plantage waren verwaist. Auch etliche der Verkaufsstände des Heidelbeeranbauers waren am Dienstag, wie auch schon Tage zuvor, geschlossen. Die Prüfung der Geschäftsunterlagen des Arbeitgebers dauert an. Der Zoll wird sie erst nach endgültiger Lohnabrechnung und -auszahlung an die Ukrainer übergeben. Die Arbeitsgenehmigung der Ukrainer endet am 26. August.

Sebastian Schwake, Michael Soboll

Imre Grimm 23.08.2011