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Panorama Kultusminister fordern schnelle Aufklärung von Hochschulen
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18:08 25.08.2009
Gegen fast 100 Hochschullehrer aus dem gesamten Bundesgebiet wird nach Medienangaben wegen Bestechlichkeit ermittelt. Quelle: Philipp Guelland/ddp (Archiv)
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Sein Amtskollege Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) aus Sachsen-Anhalt regte bessere „Kontrollmechanismen“ in den Hochschulgesetzen an, um Missbrauch zu verhindern.

Die Hochschulleitungen seien in der Pflicht, „ohne falsche kollegiale Rücksichtnahme alles zu unternehmen, um fragwürdige Vorgänge schnellstmöglich aufzuklären“, sagte der bayerische Kultusminister Heubisch am Dienstag in München. Die Vorwürfe träfen die Hochschulen im Kern. „Denn die Wissenschaft bezieht ihre Glaubwürdigkeit aus der absoluten Korrektheit aller Verfahren. Auch wenn es sich nur um vergleichsweise wenige Einzelfälle handelt, wären sie doch geeignet, die Reputation der weit überwiegenden Zahl korrekt erworbener Doktorabschlüsse in Zweifel zu ziehen“, sagte Heubisch.

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Auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Olbertz befürchtet einen erheblichen Imageverlust für die Universitäten, sollten sich die Annahmen bestätigen. Die Hochschulgesetze der Länder benötigten „Kontrollmechanismen“, um Missbrauch zu verhindern. Der Minister kritisierte, dass die Anzahl der Dissertationen an einer Universität als Leistungskriterium gelte. „Wenn wir solche quantitativen Kriterien weit über die qualitativen stellen, dann können wir uns nicht wundern, dass es Fertigungshallen für Promotionsverfahren gibt“, bemängelte er.

Neun Juristen, die gegen Geld an einen Hannoveraner Rechtsprofessor vermittelt worden waren, wehren sich derweil laut einem Medienbericht vor Gericht gegen die Aberkennung ihrer Titel. „Sie haben alle gegen die Aberkennung ihres Titels Klage eingereicht“, sagte der Dekan der juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover, Henning Radtke. Laut dem Bericht wirft die Uni den Juristen vor, sie hätten stillschweigend akzeptiert, dass ein bestochener Professor ihnen bei ihrer Promotion geholfen habe. Die Juristen beriefen sich jedoch darauf, die nötige wissenschaftliche Leistung trotz der Zahlungen erbracht zu haben.

Die laut Presseberichten ebenfalls betroffene Freie Universität (FU) Berlin wies die Vorwürfe unterdessen zurück. Der ermittelnden Staatsanwaltschaft Köln lägen „keine belastbaren Informationen“ über rechtswidrige Entscheidungen von FU-Lehrkräften im Zusammenhang mit der Vergabe von Promotionen vor, teilte die Hochschule mit. Gegenwärtig gebe es „keine Ermittlungen gegen Personal der Freien Universität Berlin“.

Am Wochenende hatte das Magazin „Focus“ berichtet, dass gegen rund 100 Hochschullehrer ermittelt wird. Die Beschuldigten sollen von einer Wissenschafts-Beratungsfirma aus Bergisch Gladbach Schmiergelder zwischen 4000 und 20 000 Euro erhalten haben, um Studenten zur Promotion zu verhelfen. Betroffen seien unter anderem Hochschulen in Frankfurt, Tübingen, Leipzig, Jena, Rostock, Bayreuth, Ingolstadt, Hamburg, Hannover, Bielefeld, Hagen, Köln und die Freie Universität Berlin, berichtete das Magazin.

ddp