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Panorama Kripo durchleuchtet Leben der Mutter nach Tötung von zwei Babys
Mehr Welt Panorama Kripo durchleuchtet Leben der Mutter nach Tötung von zwei Babys
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17:50 10.05.2011
Jürgen Schmidt, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Quelle: dpa
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Nach dem gewaltsamen Tod von zwei Babys in Braunschweig will die Polizei das Leben der Mutter genau durchleuchten. Die 35-Jährige hat gestanden, 2005 ihrer Tochter kurz nach der Geburt die Kehle durchgeschnitten zu haben. Spielende Kinder hatten den getöteten Säugling vor knapp sechs Jahren am Waller See im Kreis Gifhorn gefunden. Das zweite Baby wurde vergangene Woche tot in einem Müllcontainer in Braunschweig entdeckt. „Wir werden jetzt nachvollziehen, was die Frau in den ganzen Jahren gemacht hat“, sagte Kripo-Chef Jürgen Schmidt am Dienstag. Auch ob es vielleicht noch ein drittes Baby gab, werde untersucht. „Dafür haben wir allerdings bislang keinen Hinweis“, sagte Schmidt.

Die Ermittler waren durch einen Zufall auf die Spur der Mutter gekommen. In einem gestohlenen und im März 2010 wieder aufgetauchten VW-Bus waren Ermittler auf Zigarettenkippen mit der DNA der gesuchten mutmaßlichen Kindsmörderin gestoßen. Als Mitarbeiterin des Gastronomiebetriebs, dem der VW-Bus gehört, hatte sie den Wagen regelmäßig gefahren. Das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover erhielt im Mai 2010 die Spuren aus dem Wagen. Die komplizierte Auswertung wurde aber erst knapp ein Jahr später abgeschlossen. Erst im April 2011 erfuhr die Mordkommission „Baby“ von dem DNA-Treffer.

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Hätte das zweite Mädchen, das die Frau am 26. April 2011 zur Welt brachte, noch gerettet werden können? „An Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen“, sagte LKA-Sprecher Frank Federau am Dienstag. Die Spur aus dem gestohlenen Auto sei zunächst zurückgestellt worden, weil Spuren von schweren Straftaten Vorrang hätten. Das sei ein übliches Verfahren.

Die Vernehmung der Mutter wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Bernd Carstensen, rechnet damit, dass die Frau aussagen wird: „Als Gesellschaft werden wir uns dann die Frage gefallen lassen müssen, ob wir alles zum Schutz und Überleben dieser Säuglinge getan haben.“ Carstensen forderte eine klare rechtliche Regelung für anonyme Geburten in Deutschland. „Frankreich hat dies schon lange gesetzlich geregelt. Dort werden pro Jahr etwa 1000 Kinder anonym zur Welt gebracht“, sagte er. Hierzulande gibt es zwar die Möglichkeit zur anonymen Geburt in einigen Kliniken, jedoch gibt es rechtliche Unsicherheiten.

dpa