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Panorama Konflikte zwischen Polizei und Jugendlichen in Griechenland
Mehr Welt Panorama Konflikte zwischen Polizei und Jugendlichen in Griechenland
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18:01 06.12.2009
Zwischen Jugendlichen und Polizisten kommt es am Sonntag in Athen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Zwischen Jugendlichen und Polizisten kommt es am Sonntag in Athen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Quelle: afp
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Obwohl allein in Athen mehr als 6000 Polizisten im Einsatz waren, um Zusammenstöße wie vor einem Jahr zu verhindern, wurden Fensterscheiben zertrümmert und der Rektor der Universität leicht verletzt. Am Sonnabend hatte die Polizei mehr als 150 Menschen festgenommen.

Durch die Innenstadt von Athen zogen am Nachmittag tausende Demonstranten. Die Teilnehmer, unter ihnen viele junge Menschen, folgten einem Aufruf von Studentenorganisationen und linksgerichteten Parteien. Bei der Besetzung des Rektorats der Universität von Athen wurde nach Medienberichten der Rektor Christos Kittas leicht verletzt. Die Fenster mehrerer Banken und Geschäfte wurden zertrümmert. Rund 40 Menschen wurden festgenommen.

Im nordgriechischen Thessaloniki kam es zu Scharmützeln zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Als Brandsätze flogen, setzte die Polizei Tränengas ein. Mehrere Geschäfte wurden zerstört. Auch in anderen Städten des Landes waren Kundgebungen geplant. Schüler und Studierende sowie Gewerkschaften kündigten auch für Montag Kundgebungen an.

Bei einer kleinen Gedenkzeremonie am Grab des im Alter von 15 Jahren getöteten Alexandros Grigoropoulos rief die Mutter zu friedlichen Protesten auf, um das Andenken an ihren Sohn zu wahren. Die Regierung warnte vor einem Wiederaufflammen der Gewalt. Der für die Polizei zuständige Minister Michalis Chrysohoidis hatte vergangene Woche gedroht, die Regierung werde eine Wiederholung des „Szenarios von Gewalt und Terror im Zentrum von Athen“ nicht tolerieren. Laut einer am Sonntag in der Zeitung „To Vima“ veröffentlichten Umfrage befürchteten viele Griechen jedoch eine neue Welle der Gewalt.

Am Sonnabend startete die Polizei Razzien, nachdem im Athener Stadtteil Exarchia, in dem Grigoropoulos vergangenes Jahr getötet wurde, zwei Autos in Brand gesetzt wurden. Allein in Athen nahm die Polizei mehr als 70 Menschen fest. In einem mutmaßlichen Versteck von Anarchisten fanden die Beamten Benzinkanister, Hammer und Gasmasken. In Thessaloniki wurden am Sonnabend nach einer Demonstrantion von rund 500 Menschen zwölf Teilnehmer festgenommen.

Staatspräsident Karolos Papoulias hatte die Bevölkerung am Freitag in einer Ansprache zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen. Im Zusammenhang mit der Tötung des Jungen soll sich ein Polizist ab dem 20. Januar vor Gericht wegen Mordes verantworten. Grigoropoulos war am 6. Dezember 2008 bei einem Polizeieinsatz in Athen getötet worden. In den folgenden Tagen und Wochen demonstrierten in Griechenland zehntausende Menschen gegen die Polizeigewalt. Dabei kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen mit den Ordnungskräften.

In einem Bekennerschreiben an die „Hamburger Morgenpost“ (Sonntagsausgabe) wurde der Anschlag auf eine Polizeiwache in Hamburg als Racheakt für den Tod von Grigoropoulos dargestellt. Die Gruppe namens „Koukoulofori“, griechisch für „Kapuzenträger“ oder „Vermummte“, bekannte sich zu dem Anschlag. In der Nacht zum Freitag griffen etwa 15 Vermummte die Wache an, zündeten zwei Streifenwagen an, bewarfen Beamte und Fenster mit Steinen und errichteten brennende Barrikaden.

afp