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Panorama Kirchentag räumt Bedeutungsverlust des Christentums ein
Mehr Welt Panorama Kirchentag räumt Bedeutungsverlust des Christentums ein
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13:44 24.05.2009
Kirchentagspräsidentin Karin von Welck Quelle: Nigel Treblin/ddp
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„Das Christentum ist nicht mehr die beherrschende Kultur Europas. Wir sind eine Minderheit geworden - nicht bedrängt, aber oft einfach unbeachtet“, sagte der Römer. Nach Veranstalterangaben kamen rund 100.000 Besucher zu dem Gottesdienst auf die Bürgerweide in Bremen.

Garrone warnte die Christen vor christlicher Besserwisserei. Die christliche Stimme dürfe nie „moralistisches Belehren“ sein. „Freundlichkeit und Respekt weisen uns einen Weg, auf den Gott uns mitnimmt, ohne dass wir selber Regie führen“, sagte er. Er verwies darauf, dass „Absolutheitsansprüche der Christen“ viel „Intoleranz und Blut“ in der Geschichte verursacht hätten.

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Der Abschlussgottesdienst unter freiem Himmel markierte das Ende des fünftägigen Kirchentages. Insgesamt waren 99.500 Dauerteilnehmer sowie zahlreiche Tagesgäste zu den 2.500 Veranstaltungen in die Hansestadt gekommen. Der Kirchentag, der unter der Losung „Mensch, wo bist du?“ stand, hatte sich vor allem mit Themen rund um die Weltwirtschaftskrise, Demokratie und Menschenwürde sowie dem Dialog der Religionen beschäftigt.

Es sei ein „Kirchentag der Suche nach gemeinsamen Auswegen“ gewesen, sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär. „Wer Sit-ins wie zu 68er Zeiten erwartet hatte, muss enttäuscht gewesen sein.“ Das liege aber weniger am Kirchentag selber, als an der Zeit, „in der wir leben“. Schließlich sei „die Zeit der klaren Fronten und Antworten vorbei.“

Ähnlich äußerte sich Kirchentagspräsidentin Karin von Welck beim Abschlussgottesdienst: „Wer sagt, der Kirchentag sei zu zahm geworden, der verkennt, dass die komplexen Probleme unserer Zeit nicht durch plakative Antworten gelöst werden können.“ Der Kirchentag sei ein „Ort der Ermutigung“ gewesen, um „auch in Zeiten von Krisen, Bedrohungen und Schwierigkeiten nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, sondern als Christen Verantwortung für unsere Zukunft zu übernehmen.“

Es liege an den Menschen, die gegenwärtige Krise zu einer „Stunde Null“, zu einem „wichtigen Neuanfang“ zu machen, betonte die parteilose Hamburger Kultursenatorin. „Wir dürfen uns gerade jetzt nicht in die eigene Gruppe der Gleichgesinnten zurückziehen, sondern müssen auch auf die Menschen anderer Gesinnung zugehen und das Gespräch suchen.“

Laut Welck waren beim Kirchentag besonders die Glaubens-Veranstaltungen gut besucht. Zu Bibelarbeiten seien teilweise über 8.000 Besucher gekommen, sagte Welck. Auch Veranstaltungen zu Fragen des Protestantismus und zum Dialog der Religionen hätten eine „große Anziehungskraft“ gehabt.

In diesem Zusammenhang fordert Welck, den Dialog zwischen den Religionen intensiv fortzusetzen. Der Kirchentag habe gezeigt, dass die „Zukunft mit anderen Glaubensgemeinschaften weiter gemeinsam gestaltet werden müsse. Auch mit mehr Tempo als bisher“. Garrone sprach im Bezug auf die Ökumene von „Frustration“ und „Zurückhaltung“.

Für den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München äußerten die Veranstalter am Samstag den Wunsch, ein „deutliches Signal“ für die Ökumene zu geben. Das müsse aber nicht zwangsläufig ein „gemeinsames Abendmahl“ sein, sagte der Bremer Pastor Renke Brahms. Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag soll 2011 in Dresden stattfinden.

ddp