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Panorama Keine Zukunft für Teststrecke in Lathen
Mehr Welt Panorama Keine Zukunft für Teststrecke in Lathen
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09:49 18.09.2011
Die Transrapid-Teststrecke in Lathen steht vor dem Aus. Quelle: dpa
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Lathen

Seit etwa 30 Jahren ist der 10 00-Einwohner-Ort Lathen im Emsland mit dem Transrapid verbunden, im Guten wie im Schlechten. Noch heute steht auf der Homepage der Samtgemeinde der stolze Hinweis, der Ort sei „weltweit bekannt durch die Magnetschwebebahn Transrapid“. Mit dem Unglück am 22. September 2006, das 23 Tote forderte, machte Lathen ebenfalls Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Jetzt scheint es, als ob die Tage der Testanlage und des Transrapids endgültig gezählt sind. In der Region sieht man das mit gemischten Gefühlen.

Samtgemeindebürgermeister Karl-Heinz Weber (CDU) gibt sich nüchtern. „Wie alles im Leben ist auch die Versuchsanlage zeitlich begrenzt“, sagt er. So wie es aussieht, ist wahrscheinlich Ende des Jahres endgültig Schluss auf der Teststrecke. Weber versucht, das Positive zu sehen: Immerhin gebe es ein einsatzbereites Fahrzeug, und er hoffe, dass es gelinge, auf der Kanaren-Insel Teneriffa eine Strecke zu bauen. „Persönlich finde ich es schade“, sagt er, und er meint damit nicht nur, dass damit in seiner Gemeinde eine Ära zu Ende geht - sondern auch, dass es keine Anwenderstrecke in Deutschland gibt. Man dürfe sich nicht wundern, dass es nie gelungen sei, den Magnetzug international zu vermarkten, wenn es noch nicht mal im Heimatland einen regulären Einsatz gebe.

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Dabei gilt der Schwebezug seinen Befürwortern als das perfekte Verkehrsmittel: Der Transrapid schwebt ohne Räder auf einem Magnetfeld, kann praktisch nicht entgleisen, kann bauartbedingt nicht mit anderen Magnetzügen kollidieren und könnte theoretisch mehr als 500 Kilometer in der Stunde schnell sein. Kritikern war die Technik aber stets zu teuer. Daran konnten auch prominente Befürworter aus der Politik nichts ändern. Spätestens seit dem Scheitern der Verbindung zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt im Jahr 2008 stand die Technik in Deutschland endgültig auf dem Abstellgleis.

Bislang fährt der Zug nur in Shanghai. Theoretisch ist er derzeit für Projekte in Brasilien und für die besagte Route auf Teneriffa im Rennen. Aber welche Chancen die Technik dort hat, dazu will sich niemand so recht äußern. Kritiker wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) werfen jedenfalls dem Hersteller-Konsortium aus ThyssenKrupp und Siemens vor, den Transrapid zu zögerlich zu vermarkten. „Am Ende bauen dann die Chinesen den Transrapid auf Teneriffa“ - einen Satz wie diesen hört man häufig bei Gesprächen im Emsland.

Es gab den Versuch des Landkreises, die Testanlage als ein Versuchszentrum für Elektromobilität weiterzuführen. Seit vergangenem Dezember sei diese Idee aber vom Tisch, sagt Landrat Hermann Bröring (CDU), der viel um den Erhalt der Teststrecke gekämpft hat. Nun habe der Anlagenbetreiber IABG ein eigenes Rückbaukonzept eingereicht und hoffe, „gesondert davon irgendwie ein bisschen Elektromobilität zu machen“, sagt Bröring. Seitens der IABG gibt es derzeit zum Thema Teststrecke keinen Kommentar.

Am 22. September 2006 raste wegen einer Unachtsamkeit der Transrapid mit Tempo 170 auf einen Werkstattwagen. 23 Menschen starben, 11 wurden zum Teil schwer verletzt. Die verantwortlichen Fahrdienstleiter und Betriebsleiter der Anlage sind inzwischen rechtskräftig verurteilt. Touristenfahrten finden seit dem Unglück nicht mehr statt. Wie jedes Jahr werden sich am 22. September wohl viele Angehörige der Opfer am Gedenkstein an der Teststrecke einfinden. „Sie wollen dabei sicherlich nicht gestört werden“, sagt Bröring.

dpa