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Panorama Kein Wolf in Oberbayern
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08:31 14.11.2011
Nach und nach kehren die Wölfe nach Deutschland zurück. Quelle: dpa
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München/Bayrischzell

Vermutlich lebt derzeit kein einziger Wolf in Oberbayern - aber um das Tier tobt trotzdem ein heftiger Streit. Ein Faltblatt von Bauern erhitzt die Gemüter, es scheint inzwischen fast zum Politikum geworden zu sein. Darin heißt es, der Wolf bedrohe nicht nur die Weidewirtschaft, sondern stelle auch eine direkte Gefahr für den Menschen dar. Umweltschützer protestieren gegen das Papier mit dem Titel "Ansiedelung von Wölfen: Haben Schafe, Ziegen und Rinder in den Alpen noch eine Zukunft?".

"Die Menschen vor Ort können sich nicht mehr frei bewegen und müssen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen", so das Szenario in der Veröffentlichung. Almwirtschaft mit Weidehaltung müsse aufgegeben werden. Die Folgen seien weitreichend: Almweiden verbuschten, Menschen verlören ihre Lebensgrundlage, althergebrachtes Wissen und Bräuche wie der Almabtrieb gingen verloren. Das Faltblatt zeigt einen Wolf mit aufgerissenem Maul und gefletschten Zähnen neben einem weißen Lämmchen.

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Naturschützer reagieren mit Unverständnis. "Die Aussagen und Schlussfolgerungen in dem Faltblatt sind sachlich nachweislich falsch beziehungsweise grob verzerrend dargestellt", schrieb die Leiterin des WWF-Projektbüros Große Beutegreifer in Bayern, Christine Miller, an den Miesbacher Landrat Jakob Kreidl. "Der Landkreis übt damit eine gezielte Falsch-Information seiner Bürger aus."

Der Landkreis Miesbach ist in der Veröffentlichung mit anderen Kommunen und Verbänden aufgeführt - unter der Rubrik "Organisationen für eine intakte Kulturlandschaft". Zum Inhalt will das Amt nicht Stellung nehmen. Dem Landkreis sei es lediglich um die Aussage zum Schutz der Kulturlandschaft gegangen, sagt ein Sprecher.

"Wölfe sind eine Bereicherung der heimischen Fauna und sollten in Deutschland wieder ihren Platz finden", heißt es in einem Dokument auf der Seite des Bundesumweltministeriums. Der Herausgeber des Faltblattes, Martin Erhardsberger vom Bayerischen Bauernverband, sagt, das Faltblatt solle ein Gegengewicht zu den Aussagen der Naturschützer setzen. Derweil bleibt der einzelne Wolf spurlos verschwunden, der 2009 rund 130 Jahre nach der Ausrottung seiner Artgenossen eingewandert war. Er hatte mehrere Schafe gerissen. Es wird spekuliert, dass er illegal abgeschossen wurde. Miller vom WWF ist überzeugt: "Der nächste Wolf ist schon auf dem Weg."

Kürzlich erst haben Behörden, Almbauern, Jäger und Naturschützer in Bayern in monatelangem Ringen eine Stufe 2 des sogenannten Wolfs-Managementplanes ausgearbeitet. Er soll unter anderem Entschädigungen und Schutzmaßnahmen regeln, wenn ein Wolf dauerhaft bleibt. Das Papier liegt derzeit im Landesamt für Umwelt und soll noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

Gerade deshalb habe das Faltblatt für Verwunderung gesorgt, sagt Miller vom WWF. Die Veröffentlichung kommt zu dem Schluss: "Ein wirksamer Schutz der Weidetiere vor dem Wolf ist im bayerischen Alpenraum nicht möglich." Rechtlich ist eine Ansiedelung von Wölfen allerdings kaum zu verhindern - sie sind in der EU streng geschützt. Die Tiere dürfen nicht getötet und, sofern sie nicht zur akuten Gefahr werden, nicht einmal vertrieben werden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie in anderen Alpenländern sind sie längst wieder heimisch.

dpa