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Panorama Kein Platz für ganz normale Muslime
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07:20 14.12.2011
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Dearborn

Für die Sendung aus Dearborn in Michigan, der größten muslimischen Gemeinde in den USA, gab es schon viele positive Kritiken. Doch nun steht die harmlose Dokumentation namens „All American Muslim“ („Durch und durch amerikanischer Muslim“) auf einmal im Mittelpunkt einer Kontroverse, die viel über das verkrampfte Verhältnis mancher Amerikaner zum Islam aussagt.

Eine christlich-konservative Gruppe namens „Florida Family Association“ hat sich massiv über die Show beschwert, weil diese ein viel zu harmloses Bild zeichne. „Die Show stellt nur Muslime wie du und ich vor und schließt Gläubige aus, deren Agenda einen klare und akute Gefahr für die Freiheit und die traditionellen Werte darstellt, welche der Mehrheit der Amerikaner teuer sind“, heißt es in einer Erklärung der Gruppe. Sie hat die Unternehmen, welche die Werbeblöcke der Serie kauften, mit Protesten überschüttet. Damit könnte die Geschichte eigentlich enden. Doch die Kritik hat den Baumarktbetreiber Lowe’s offenbar so beeindruckt, dass er nun tatsächlich seine Werbung gestrichen hat.

Die „Florida Family Association“ publizierte stolz ein Schreiben von Lowe‘s, in dem zugestanden wird, dass die Show nicht den Werberichtlinien der Firma entspreche. Offiziell gibt es nur gewundene Erklärungen. Politische Bedenken seien nicht der einzige Grund für die Entscheidung gewesen, sagte eine Sprecherin von Lowe’s: „Unserer Wahrnehmung nach hat das Programm aber Unruhe, Beschwerden und andere Einwände von verschiedenen Zuschauergruppen provoziert.“

In der Region Detroit, in der Dearborn liegt, und in der viele Menschen Muslime als Nachbarn haben, ist die Empörung groß. „Man läuft einem Programm über Menschen aus Detroit davon, weil es Leute, die nicht einmal hier leben, zu beleidigenden Attacken provoziert“, sagt die Journalistin Ashley Woods.

Doch statt eine ernsthafte Debatte über den Islam in den USA anzustoßen, reißt der Streit nur Fronten auf. Computerhacker haben zur Revanche die Webseite der christlichen Islamkritiker lahmgelegt, die sich nun selbst als Verfolgte darstellen können: „Weil wir Angst vor dem Terrorismus haben, der das Leben bestimmter Leute beherrscht, sind wir zu Opfern geworden“, schreibt die „Florida Family Association“ auf ihrer Rumpf-Internetseite.

Der Fernsehsender TLC wenigstens will seine TV-Show unbeirrt weitersenden – ohne einen wichtigen Werbekunden.

Andreas Geldner

13.12.2011
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