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Panorama Kein Kahlschlag im Schilderwald
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10:08 25.05.2012
Vor vier Jahren schaffte Bohmte einen Teil seines Schilderwaldes ab. Einen landesweiten Kahlschlag gibt es aber vorerst nicht. Quelle: dpa
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Friesoythe

In der kleinen Gemeinde Bohmte im Kreis Osnabrück rollt der Verkehr ohne Ampel und Vorfahrtsschilder. Vor vier Jahren startete die 13.000-Einwohner-Kommune einen von der EU geförderten Modellversuch - der landesweit viel Aufsehen erregte, bisher aber keine Nachahmer fand. Einige Orte liebäugeln zwar mit dem neuen Verkehrskonzept. Alle Initiativen scheiterten bislang aber am Ministerium in Hannover.

Der Bürgermeister von Friesoythe, Johann Wimberg, lässt sich trotzdem nicht entmutigen. Er will den Verkehr in der Innenstadt beruhigen und hält „Shared Space“ - so nennen Fachleute das Konzept, das den Schilderwald auf den Straßen lichten soll - für eine gute Idee. „Wir befinden uns in der Stadt Friesoythe allerdings erst am Anfang einer Diskussion und müssen uns in den nächsten Schritten mit den Möglichkeiten noch genauer beschäftigen“, sagte der CDU-Politiker.

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Bohmte soll dabei als Vorbild dienen. Im Juni 2008 schaffte die Gemeinde als erste in Deutschland auf einer Hauptverkehrskreuzung alle Ampeln und Verkehrsschilder ab. Seither gilt dort nur noch: rechts vor links. Die Erste Gemeinderätin Sabine de Buhr-Deichsel wertet das Projekt als vollen Erfolg. „Schlagartig seit dem Tag gibt es keine Staus mehr.“ Auch die Zahl der Unfälle sei nicht gestiegen, obwohl Kritiker das befürchtet hatten. Die Gemeinde würde die schilderfreie Zone am liebsten ausdehnen. Doch dafür fehlt zurzeit das Geld.

Das Verkehrsministerium in Hannover ist von den positiven Erfahrungen in Bohmte jedoch nicht ganz so überzeugt. Hatten und Reppenstedt kassierten deshalb eine Absage für „Shared Space“. Beide Gemeinden wollten Ampeln und Schilder an Landesstraßen entfernen. Doch dafür brauchen sie eine Genehmigung von Landkreis und Ministerium. In Bohmte hatten die Behörden wegen des Modellprojekts eine Ausnahme gemacht.

„Wir warten auf eine Evaluation, wie sich das in Bohmte entwickelt hat“, begründete Ministeriumssprecher Christian Budde. Bisher gebe es keine wissenschaftliche Auswertung. Generell sei das Ministerium skeptisch, ob die Bürger sich von den von klein auf erlernten Vorfahrtsregeln einfach so lösen könnten. „Das setzt voraus, dass alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen.“ Bei stark frequentierten Straßen sehen die Experten da Probleme.

In Reppenstedt und Hatten ist man enttäuscht, will sich aber nicht komplett vom „Shared Space“ verabschieden. „Wir haben natürlich alle einen Dämpfer bekommen“, sagte Hattens parteilose Bürgermeisterin Elke Szepanski. „Aber wir werfen nicht alles in den Papierkorb.“ Die Gemeinde im Kreis Oldenburg will die Hauptstraße im Ortsteil Kirchhatten jetzt mit einem Kreisverkehr und Fahrbahnverengungen beruhigen. Auch in Reppenstedt nahe Lüneburg bleibt es bei den zwei geplanten Kreiseln.

Mit Widerständen aus Hannover rechnet der Bürgermeister von Friesoythe (Kreis Cloppenburg) dagegen nicht. Umgebungsstraßen führen Autos und Lastwagen inzwischen um den Ortskern. „Dadurch werden bisherige Landesstraßen im Stadtzentrum umgewidmet zu kommunalen Straßen“, sagte Wimberg. Und über diese rollt deutlich weniger Verkehr als über die großen Hauptstraßen in Hatten oder Reppenstedt.

dpa

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