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Panorama Katholische Pilger verteidigen ihre Kirche
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09:40 05.04.2010
Papst Benedikt XVI. erteilt den Segen „Urbi et  Orbi“.
Papst Benedikt XVI. erteilt den Segen „Urbi et Orbi“. Quelle: afp
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Sie sind gekommen, um sich den Ostersegen zu holen. Doch ein wenig wollen die Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom auch ihrer Kirche und ihrem Papst beistehen, der nach den Missbrauchsskandalen in katholischen Einrichtungen mehrerer Länder selbst wiederholt in die Kritik geraten war. Viele von ihnen sind der Ansicht, die Affäre werde aufgeblasen, um die gesamte Kirche zu diskreditieren.

Im strömenden Regen warten Marino, seine Frau und ihre beiden Kinder auf die Osterbotschaft des Papstes und seinen Segen „Urbi et Orbi“. Der Turiner bezeichnet sich als gläubigen Katholiken. Den sexuellen Missbrauch von Kindern in katholischen Schulen und Heimen findet er „schlimm“. Ein wenig aber würden die Skandale auch „instrumentalisiert“, sagt er. So werde häufig vergessen, dass es sich um das „Fehlverhalten“ einzelner Mitglieder der Kirche handle. Der Glaube aber und die Kirche als Ganzes hätten damit nichts zu tun, sagt Marino. Allerdings findet er es wichtig, dass die Täter nicht geschützt werden.

Für Edgar Meier, der aus Deutschland angereist ist, sind die Vorfälle „nicht typisch für die Kirche“. Die fast täglichen neuen Enthüllungen in den deutschen Zeitungen über vergangene Missbrauchsfälle findet er übertrieben: „Die Journalisten machen daraus eine viel größere Affäre als sie es in Wirklichkeit ist“, sagt er.

Natalja Tkaschenko weist darauf hin, dass der Papst sexuellen Missbrauch klar verurteilt. Pädophilie sei „sicherlich ein Problem“, doch komme sie in „allen geschlossenen Institutionen vor“, sagt die russische Reisebegleiterin weiter. Sanne aus Belgien gibt ihr Recht: „So etwas passiert überall, warum also nicht auch in der Kirche?“

Alvarez Darelli aus Mailand findet, dass die Kirche „ihr Bestes“ gebe, um das Problem zu lösen. Ähnlich urteilt auch sein Landsmann Mario Mogavero. Wichtig sei, dass die Kirche „ihre Fehler eingesteht, und das tut sie“, sagt er. Auch Maria Rodriguez sieht hinter den Skandalen das Fehlverhalten einzelner Priester, „denen die Berufung zu diesem Amt fehlt“. Schuld daran trage aber auch der Zölibat, befindet die Pilgerin aus Paraguay. Sie fordert, der Papst müsse die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit schleunigst abschaffen.

Eine kritische Stimme kommt von einer jungen Doktorandin aus Deutschland. Claudia Binion, die sich für ihre Arbeit über Kirche und Medizin derzeit in Rom aufhält, findet, der Papst solle zurücktreten. Er sei einfach zu sehr mit diesem „enormen Problem“ verstrickt, sagt sie angesichts von Vorwürfen, das Oberhaupt der katholischen Kirche sei in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising sowie später dann an der Spitze der Glaubenskongregation in mindestens zwei Fällen untätig geblieben.

Für Menschen mit pädophilen Neigungen übe die Kirche eine große Anziehungskraft aus, sagt sie dann noch: „Hier können sie mit Kindern arbeiten, ihr Tun wird vertuscht, und sie selbst werden geschützt.“

afp

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