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Panorama Katastrophenfall: So reagiert das THW bei einem Unglück wie auf Madeira
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13:35 18.04.2019
Rettungskräfte sind nach dem schweren Busunglück auf der portugiesischen Ferieninsel Madeira im Einsatz. Quelle: Rui Silva/dpa
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Hannover

Eine deutsche Reisegruppe verlässt am Mittwochabend das Hotel auf der portugiesischen Insel Madeira um in einem Restaurant zu Abend zu essen. Der Bus, mit dem die Urlauber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren unterwegs sind, verunglückt. In Windeseile wird ein Krisenstab eingerichtet und der Unfallort weiträumig abgesperrt. Wie Rettungskräfte in solchen Extremsituationen organisiert sind und welche Belastungen Sie aushalten müssen, erzählt der Präsident vom Technisches Hilfswerk (THW), Albrecht Broemme.

Das Technisches Hilfswerk ist immer dann im Einsatz, wenn Menschen nach Katastrophen und Unglücken dringende Hilfe benötigen – und das nicht nur innerhalb Deutschlands sondern weltweit. „Nur in Madeira haben wir leider keine Zweigstelle“, sagt Albrecht Broemme.

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Im Einsatz wenn Feuerwehr und Polizei auf Hilfe angewiesen sind

Wenn in Deutschland ein ähnliches Unglück wie auf der kleinen Insel im Atlantik geschieht, sind es erstmal die Feuerwehr und die Polizei, die den Unfallort sichern. Das THW wird nur eingeschaltet, wenn die Lage vor Ort für die Einsatzkräfte nicht zu händeln ist. „Da geht es vor allem um die Ausrüstung. Wenn ein Bus wie in Madeira am Abhang steht und droht, abzustürzen, dann muss man ihn stabilisieren. Für solche Fälle sind wir bestens ausgerüstet.“

Der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme Quelle: dpa

Wird das THW gerufen, sei man innerhalb von einer Stunde vor Ort – „samt Fachpersonal und Ausrüstung.“ Dabei arbeitet man laut Broemme nach einer klaren Arbeitsfolge: „Erst geht es um die Bergung der Lebenden – danach um die Bergung der Toten. Dann muss das Unglück von den Einsatzkräften so dokumentiert werden, dass der Unfallhergang zweifelsfrei nachzuvollziehen ist.“ In Deutschland kann ein verunglückter Bus demnach erst vollständig geborgen werden, wenn ein Staatsanwalt dies anordnet.

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Schnelle Bergung auf Madeira

Die elf Stunden, nach denen die portugiesischen Einsatzkräfte Menschen und Fahrzeug nach dem Unfall geborgen hatten, bezeichnet Broemme als sehr kurz – gerade weil die Hauptarbeit der Einsatzkräfte in der Nacht geleistet wurde. „Man braucht dafür eine entsprechende Ausleuchtung. Ich erinnere mich an einen Fall, wo auf der A9 ein Bus ausgebrannt ist. Da haben die Einsatzkräfte fast einen ganzen Tag gebraucht, um alles zu bergen.“

Solch ein Unfall sei ein Alptraum für alle Helfer. „Solche Busse sind in einer Leichtbauweise konzipiert. Da besteht permanent die Gefahr, dass diese in sich zusammenklappen.“ Und nicht nur das sei eine Herausforderung für die Einsatzkräfte des THW. „Die Toten sind oft fürchterlich verstümmelt. Das muss man erstmal verarbeiten.“ Dafür stellt der THW seinen Kräften Seelsorger zur Seite, die direkt nach dem Einsatz zur Verfügung stünden.

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Will ich Menschen helfen?

Dabei sind es vor allem Ehrenamtliche, die sich beim THW engagieren und dies als Ausgleich oder Ergänzung zu ihrer eigentlichen beruflichen Aufgabe machen. Für solch einen Job ist aber längst nicht jeder geeignet. „Man muss sich zwei Fragen stellen: Will ich Menschen helfen? Und habe ich ein gutes technisches Verständnis? Wenn man beides mit ’Ja’ beantworten kann, ist man beim THW gut aufgehoben.“

Man kann sich in knapp einem dreiviertel Jahr grundausbilden lassen, um bei schweren Katastrophen zu helfen. Darüber hinaus braucht es für besondere Fälle auch Fachpersonal – etwa wenn es um Ausleuchtungen oder Statik geht. „Dafür muss man dann etwa eineinhalb Jahre kalkulieren“, sagt Broemme. Sollte jemand ernsthaftes Interesse haben, sich beim THW zu engagieren, empfiehlt der Präsident sich beim jeweiligen Ortsverband zu melden. „Es gibt Regionen, da sind wir vom Personal sehr gut aufgestellt. In anderen Regionen können wir durchaus immer noch weitere Helfer brauchen.“

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Albrecht Broemme, der nach eigenen Angaben selbst vor 50 Jahren THW-Helfer war, ist seit 2006 Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Als Landesbranddirektor war er zuvor Leiter der Berliner Feuerwehr.

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Von RND / Moritz Naumann

Der Artikel "Katastrophenfall: So reagiert das THW bei einem Unglück wie auf Madeira" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.