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Panorama Katastrophales Ende einer Spritztour
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18:56 17.09.2009
Von Karl Doeleke
Völlig zerstört: Der Golf GTD in der Wolfsburger Innenstadt. Quelle: ddp
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Die Ärzte in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hofften aber Donnerstagnachmittag, dass er überleben wird.

Mit welchem Tempo der 19-Jährige durch die Wolfsburger Innenstadt gerast war, müssen die Spezialisten der Unfallforschung noch ermitteln. „Es waren wohl mehr als 100 Kilometer in der Stunde“, soviel immerhin mutmaßte Polizeisprecher Thomas Figge am Donnerstag. „Sonst wäre das Auto nicht so zerstört worden.“

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Vieles deutet darauf hin, dass der 19-Jährige Fahrer seinen weißen Kompaktwagen auf mindestens Tempo 140 beschleunigt hatte, wo nur 50 Stundenkilometer erlaubt sind. VW gibt die Spitzengeschwindigkeit des GTD mit 222 an. Der Abiturient hatte das laut Liste mehr als 27.000 Euro teure Gefährt erst am Nachmittag gemeinsam mit dem Vater bei VW in der Autostadt Wolfsburg abgeholt. Wenige Stunden später, um 19.40 Uhr am Mittwochabend verlor er die Kontrolle über das 170 PS starke Auto, das laut Polizei links von der Fahrbahn abkam, über eine Verkehrsinsel schleuderte und anschließend gegen einen Baum prallte. Die Wucht der Kollision muss den Golf schließlich gegen einen zweiten Baum geschossen haben, an dem er in zwei Teile zerrissen wurde.

Keiner der fünf Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren, darunter ein Brüderpaar, war angeschnallt. „Die lagen alle auf der Straße“, beschreibt Reiner Koch, Einsatzleiter der Feuerwehr, den ersten Eindruck am Unfallort. „Das Auto war nur noch ein Knäuel.“ Einer der Männer war sofort tot, drei weitere starben anschließend in Krankenhäusern in Wolfsburg und Gifhorn. Der Überlebende wurde mit dem Rettungshubschrauber in die MHH nach Hannover geflogen.

Entsetzte Passanten und Anwohner hatten sofort den Notruf alarmiert. Notfallseelsorger mussten ihnen später Beistand leisten. Zwei Minuten später war ein Krankenwagen des Klinikums Wolfsburg am Ort. „Den Ersthelfern bot sich ein grauenvolles Bild“, erklärt Polizeisprecher Figge. Zwischen Trümmern und Splittern fanden die Ärzte und Sanitäter abgetrennte Gliedmaße. Sofort forderten sie Verstärkung bei der Feuerwehr an. Die schickte vier Rettungswagen und rief das Rote Kreuz, Malteser, den Notarztwagen des VW-Werkes, weitere Notärzte aus dem Klinikum sowie sechs niedergelassene Ärzte, freiwillige Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und Psychologen der Notfallseelsorge hinzu. „Am Ende waren 50 Rettungskräfte im Einsatz“, erklärt Einsatzleiter Koch. Dass wahrscheinlich das Leben des einen der Insassen gerettet werden könne, sei „Balsam auf die Seele der Retter“, sagt er. Auch sie könnten bei Bedarf die Psychologen der Unfallseelsorge ansprechen, sagt Koch.

Laut Polizei geschah der Unfall auf gerader Strecker einer gut ausgebauten Straße. Ob Alkohol, Drogen oder Tabletten im Spiel waren, konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht sagen. Andere Fahrzeuge seien in den Unfall nicht verwickelt gewesen, auf ein illegales Rennen deute nichts hin. „Zum Glück waren auch keine Fußgänger oder Fahrradfahrer da“, sagt Sprecher Figge. „Übermut des jungen Fahrers und deutlich überhöhte Geschwindigkeit“ seien die Ursachen des Unfalls.

Das Auto sei für einen 19-Jährigen „völlig übermotorisiert“, sagt Figge. Laut Polizei hatte der 19-Jährige den Wagen über einen bei VW beschäftigten Verwandten erworben, auf den der Wagen auch zugelassen ist. VW wirbt für den GTD mit dem Slogan: „Der GTI unter den Dieseln.“ Für den wiederum gilt die Empfehlung des Automobilkonzerns: „Nur für Fortgeschrittene.“