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Panorama Kälte hilft: Darum steigen Sportler und Manager in die Eiskammer
Mehr Welt Panorama Kälte hilft: Darum steigen Sportler und Manager in die Eiskammer
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10:00 23.06.2019
Die krassen Minusgrade desensibilisieren überreizte Nervensysteme, verbrennen in Kürze jede Menge Kalorien und setzen Kraftreserven und Glückshormone frei. Quelle: Bill O'Leary/The Washington Post via Getty Images
Hannover

Am Ende hat es ihm nicht wirklich geholfen. Trotz der ungewöhnlichen Prozedur, der er sich vorher unterzogen hat, verlor Alexander Zverev vor zwei Wochen das Viertelfinale der French Open in Paris gegen den Serben Novak Djokovic klar in drei Sätzen.

Drei Minuten Eiskammer hatte sich der deutsche Tennisspieler vor dem Match gegeben, drei Minuten lang hatte er gebibbert bei minus 180 Grad, um in Bestform den Platz zu betreten. Muskeln entspannen, Schmerzen lindern, Kraft sammeln – vom Härtetest in der Kühlzelle versprach sich Zverev viel.

„Du musst schon dein bestes Tennis spielen, um gegen ihn eine Chance zu haben“, wusste der 22-Jährige über Djokovic zu sagen. Doch Kälteschock hin oder her: Bei einem Viertelfinale kann immer nur einer gewinnen, und diesmal war es nicht „der Mann, der in die Kälte ging“, wie die Deutsche Presseagentur Zverev vorübergehend nannte.

Extremerfahrungen in der Kältekammer

Deutschlands neuer Tennisstar ist dabei mitnichten der Einzige, der Extremerfahrungen in einer Kältekammer sucht. Unter Profisportlern und Managern gehört es inzwischen fast zum guten Ton, vor (oder auch nach) wichtigen Turnieren oder Aufgaben in einer Eissauna zu schlottern.

Fußballer tun es, Leichtathleten schwören darauf, Vorstandsvorsitzende ebenfalls. Und tatsächlich hat auch Novak Djokovic, Zverevs Gegner in Paris, der Eiskammer des Tennisstadions vor dem Spiel noch rasch einen Besuch abgestattet.

Während die Gradzahlen je nach Anbieter von sehr kalten minus 110 Grad bis zu extrafrostigen Minus 180 Grad variieren, ist das Vorgehen immer ähnlich: Wer den Gang in die Kälte wagt, muss sich zunächst bis auf die Unterhose nackig machen.

Die Kryotherapie gilt inzwischen als sicher und erwiesen

Mit Mundschutz, Ohrenschutz, Handschuhen, dicken Socken und festen Schuhen ausgestattet geht es dann für eine halbe Minute in eine Vorkammer, in der etwa minus 60 Grad herrschen, bevor man die eigentliche Kältezelle betritt: Bei mindestens minus 110 Grad ist es hier locker dreimal so kalt wie in der Antarktis.

Kein Wunder also, dass Ärzte sagen, man sollte nicht länger als drei Minuten in dem eisigen Extrem verweilen – und dass das Personal angehalten ist, über Fenster zu kontrollieren, wie es dem freiwillig Frierenden während der Prozedur ergeht.

Vor wenigen Jahren starb eine Amerikanerin in einer Kältekammer, tatsächlich aber gilt die Kryotherapie inzwischen als sicher und erwiesen, was sich auch darin zeigt, dass immer mehr Firmen sie anbieten – allerdings in unterschiedlichen Formen. Mal entert der Kunde eine richtige Kammer, mal schlüpft er nur in ein überdimensionales, mit Stickstoff runtergekühltes Fass, das an die bei Fußballspielern beliebten Eistonnen erinnert.

Das Geschäft mit der Kälte boomt

Fakt ist: Das Geschäft mit der Kälte boomt. Denn längst haben nicht nur Leistungsträger erkannt, dass eine geballte Ladung Eis wahre Wunder wirken kann. Schnelle Schmerzlinderung und Heilung ist vor allem für alle jene interessant, die unter chronischen Gelenk- oder Hauterkrankungen leiden, die mit Rheuma, Rückenschmerzen oder Neurodermitis zu kämpfen haben, die nachts keinen Schlaf finden oder sich schlicht zu dick fühlen.

Schließlich hat eine Ganzkörperkältebehandlung etliche positive Effekte: Die krassen Minusgrade desensibilisieren überreizte Nervensysteme, verbrennen in Kürze jede Menge Kalorien und setzen Kraftreserven und Glückshormone frei. Nach dem Kälteschock könne man Bäume ausreißen, sagen die Experten. So hatte sich das Alexander Zverev in Paris vermutlich auch gedacht.

Von Sophie Hilgenstock

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