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Panorama Justiz wirft Strauss-Kahn Zuhälterei vor
Mehr Welt Panorama Justiz wirft Strauss-Kahn Zuhälterei vor
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17:57 27.03.2012
Foto: Auch in Frankreich gerät Dominique Strauss-Kahn immer mehr unter Druck.
Auch in Frankreich gerät Dominique Strauss-Kahn immer mehr unter Druck. Quelle: dpa
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Paris

Dominique Strauss-Kahn ist zurück. Auf fast allen Titelseiten der französischen Zeitungen prangte am Dienstag sein Bild - begleitet vom Hinweis auf ein Anklageverfahren wegen organisierter Zuhälterei. Selbst die mittlerweile an einiges gewöhnten Franzosen horchen da auf. Der tiefe Fall des einstigen Hoffnungsträgers der französischen Sozialisten scheint sich damit ungebremst fortzusetzen.

„DSK“, wie der einst so mächtige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Heimat genannt wird, wurde eher eine Besonderheit des französischen Gesetzes zum Verhängnis. „In Frankreich kann jeder seine sexuellen Fantasien austoben“, meint ein Zeitungskiosk-Besitzer an der Pariser Oper - und verweist auf die linksliberale Zeitung «Libération», die am gleichen Tag einer Studie über die sexuellen Fantasien von 3404 befragten Frauen eine ganze Doppelseite widmet. Solange sich bei freizügigen Swinger-Treffen nur Gleichgesinnte hüllenlos, aber ohne Bezahlung miteinander vergnügen, bleibt der französische Gesetzgeber außen vor.

Anders sieht es dagegen aus, wenn Prostituierte angeheuert wurden, also extra engagiert wurden für das «freigeistige» Geschehen - wie es Strauss-Kahn gerne nannte. Wissen die Beteiligten davon, droht ihnen der Paragraf 222-5 des französischen Gesetzbuches, und damit juristisches Glatteis. Denn der sieht Zuhälterei schon dann als gegeben an, wenn jemand anderen Personen bei der Prostitution „hilft, sie unterstützt oder protegiert“. Die Kernfrage für die Ermittler lautete daher: War Strauss-Kahn die Teilnahme von Prostituierten bei den gesponserten Sex-Partys seiner zweifelhaften Gönner bekannt oder nicht?

Ja, lautete die vorläufige Antwort der Ermittler - denn ohne dringenden Tatverdacht hätten sie kein Anklageverfahren einleiten können. Nein, lautete dagegen die entschiedene Antwort von Strauss-Kahn und seiner Anwälte, die das am Dienstag auf einer Pressekonferenz erneut betonten.

DSK bestreitet eine Teilnahme an Sex-Partys nicht. Zwei oder dreimal pro Jahr habe es in den vergangenen fünf Jahren solche Treffen gegeben, meinte sein Anwalt Henri Leclerc, der den Aufwand des Staatsapparates für diesen Fall für völlig unangemessen hält. Strauss-Kahn will nicht gewusst haben, dass die freizügigen Damen Prostituierte waren, die da sozusagen „frei Haus“ nach Washington einschwebten. Rhetorisch stellte sein Anwalt die Frage in den Raum, wie man einer nackten Frau ansehen will, ob sie eine Prostituierte sei.

Sein Mandant habe an eine Art Swinger-Club gedacht, bei der unternehmungslustige Frauen sexuelle Abenteuer suchen. Er nannte die Vorwürfe «absurd». Einige der Prostituierten dagegen erklärten nach Medienberichten bei ihrer Vernehmung, es hätte dem Politiker kaum entgehen können, dass hier Frauen Dienste gegen Geld anböten. Dieser Ansicht schlossen sich nun offenbar auch die Ermittlungsrichter an. Die Prostituierten wurden nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft mit unterschlagenen Firmenmitteln finanziert.

Die Ermittlungsrichter hatten unerwartet den für diesen Mittwoch geplanten Anhörungstermin vorgezogen und dann das Anklageverfahren wegen Beteiligung an organisierter Zuhälterei erhoben - kurz vor seinem Zivilprozess in den USA. Bei einer Verurteilung in Frankreich drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

In der nach einem Luxushotel benannten „Carlton“-Affäre gibt es bereits Anklageverfahren gegen acht Personen. Ein Zuhälterring soll Kunden belgische Callgirls vermittelt haben. Es ist eine Affäre um Hotelmanager, Polizeichefs und dubiose Konzernmanager. Strauss-Kahn ist dabei eher eine Randfigur, aber mit Abstand der prominenteste Name. Deswegen sieht ihn sein Anwalt Richard Malka auch als Opferlamm „auf einem Scheiterhaufen“.

Die letzte Reise der Prostituierten soll unmittelbar vor der spektakulären Verhaftung des heute 62-jährigen Politikers am 14. Mai in New York stattgefunden haben. Damals hatte ihn das Zimmermädchen eines Hotels sexueller Gewalt beschuldigt - es war der Anfang des öffentlichen Niedergangs des einstigen Polit-Stars, der als Folge der Vergewaltigungsvorwürfe von seinem IWF-Posten zurücktrat. Zwar wurde das Strafverfahren in den USA wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens später eingestellt. Ab Mittwoch droht mit einem Zivilprozess eine Fortsetzung auch dieser Affäre.

dpa