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Panorama Justiz verschiebt Vergeltung des Säureopfers Ameneh Bahrami
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13:08 14.05.2011
Ameneh Bahrami mit Bildern aus ihrer Vergangenheit. Quelle: dpa
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Weil sie einem Verehrer einen Korb gab, ist die Iranerin Ameneh Bahrami für den Rest ihres Lebens blind und muss mit einem grauenhaft verunstalteten Gesicht leben. Vor sechseinhalb Jahren hatte ihr Mitstudent Madschid Mowahedi darauf gedrungen, sie zu heiraten. Sie lehnte seinen Antrag mehrmals ab, er schüttete ihr Ende 2004 auf einer Straße in Teheran Schwefelsäure ins Gesicht.

Seitdem hat sich die 32-Jährige mehr in Krankenhäusern aufgehalten als zu Hause. Trotz zahlreicher Operationen in Iran und Spanien bleibt ihr Gesicht entstellt. Sie hätte längst jeden Lebensmut verloren, wären nicht ihre Rachegedanken, sagt sie. „Das gleiche, was er mir angetan hat, muss er selber am eigenen Leib erfahren, dafür lebe ich weiter.“

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Nach islamischem Recht ist derlei Rache ganz legal. Das „Auge-um-Auge“-Prinzip erlaubt dem Opfer, dem Täter das gleiche Leid zuzufügen. In Bahramis Fall heißt das laut Gerichtsurteil: Die 32-Jährige darf dem Attentäter in einem Krankenhaus unter Aufsicht eines Mediziners mit einer Pipette Säure in beide Augen träufeln.

„Eine junge Frau hat beide Augen verloren und laut islamischen Gesetzen darf sie dem Täter exakt das Gleiche antun“, sagt der iranische Richter Mohamed Sultan. „Das Urteil ist absolut gerecht und gleichzeitig abschreckend.“ Die Blendung hätte eigentlich am Samstag stattfinden sollen, wurde dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

„Ich wollte sie doch nur für mich haben, das war alles nur aus Liebe, ich wollte nicht ihr Leben zerstören“, hatte Mowahedi im letzten Gerichtsverfahren 2008 betont. Bahrami hatte dem Mann wohl nie irgendwelche Hoffnungen gemacht. Um ihn loszuwerden, hatte sie sogar behauptet, dass sie einen anderen heiraten wolle. Mowahedi hatte ihr gedroht, sie in diesem Fall umzubringen. Bahrami nahm die Drohung ernst und wandte sich an die Polizei - die aber sagte, sie könne rechtlich nichts gegen mündliche Drohungen unternehmen.

Bahrami hat erklärt, dass die „Auge-um-Auge“-Aktion für sie nicht nur eine Genugtuung für all das Leid wäre, das ihr angetan wurde. Sie hoffe, dass die Vergeltung abschreckend wirke - „damit andere Frauen nicht das gleiche Schicksal erleiden wie ich“. Obwohl der Klerus im Iran ihr recht gibt, sehen Juristen in Teheran die Racheaktion kritisch. „Man kann ja nachvollziehen, dass die Frau sich rächen will, aber auf so eine grausamen Art und Weise kann man keine Gerechtigkeit erzwingen“, sagte ein iranischer Rechtsexperte. Effektiver sei, den Verkauf von Säuren in Apotheken zu verbieten.

Die Justizbehörde, die hauptsächlich von Klerikern verwaltet wird, schreibt harten Strafen abschreckende Wirkung zu. Mord, Drogenhandel, Vergewaltigung und Terrorismus werden im Gottesstaat mit dem Tod bestraft. „Die Kleriker im Iran halten wenig von sozialpädagogischen Maßnahmen, sie machen lieber kurzen Prozess“, sagt ein ausländischer Diplomat in Teheran. Im vergangenen Jahr gab es laut Medienberichten über 170 Hinrichtungen im Land, in den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahren schon mehr als 110.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.