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Panorama Justin Bieber: Ein demokratisch gewählter Popstar
Mehr Welt Panorama Justin Bieber: Ein demokratisch gewählter Popstar
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22:18 05.03.2011
Gerade mal 17 Jahre alt und schon ein Weltstar: Justin Bieber bei der Premiere seines Films „Justin Bieber: Never Say Never“ in London. Quelle: dpa
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Es sind keine mächtigen Plattenbosse, keine Castingshows und auch keine übereifrigen Eltern, die Justin Bieber groß machen. Den Durchbruch verschaffen dem Teenie-Idol unzählige Klicks im Internet: Als Zwölfjähriger singt er bei einem Talentwettbewerb in seiner Heimatstadt Stratford im kanadischen Ontario. Er wird Zweiter. Kurz darauf stellt Bieber selbst gedrehte Videos auf das Onlineportal YouTube. Millionen Menschen wollen den kleinen Jungen mit der Surferfrisur sehen, der Lieder von Aretha Franklin, Alicia Keys und NeYo covert. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Bieber ist der erste große Popstar der Generation Facebook, ein demokratisch gewähltes Idol.

Ob sich die Geschichte von dem kanadischen Talent so ereignet hat oder ob sie werbewirksam aufbereitet wurde – Tatsache ist, dass sie Erfolg hat. 2008 nahm L. A. Reid den damals 14-Jährigen bei seiner Plattenfirma Island Records unter Vertrag. Zuvor hatte Musikmanager Scooter Brown ihn im Netz entdeckt und mit der R’n’B-Größe Usher bekannt gemacht. 2009 kam dann Biebers erstes Album „My World 1.0“ auf den Markt, ein Jahr später folgte „My World 2.0“.

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Mittlerweile hat der 17-Jährige mehr als 22 Millionen Facebook-„Freunde“, acht Millionen folgen ihm bei Twitter. Superlative pflastern seinen Weg: Manche seiner Videos wurden mehr als 14 Millionen Mal geklickt. Allein im vergangenen Jahr verdiente er 100 Millionen Dollar. Er hat gerade vier American Music Awards abgeräumt und zwei Grammy-Nominierungen bekommen. Eine jüngst versteigerte Locke des Teenie-Idols brachte 40.000  Dollar ein. Als vor zwei Jahren ein Haarbüschel von Elvis Presley versteigert wurde, waren diese dem Meistbietenden 18.300 Dollar wert – obwohl Presley zu diesem Zeitpunkt schon 32 Jahre tot war. Seiner Freundin, dem Disneystar Selena Gomez, schenkte Bieber zum Valentinstag nicht einen Strauß Blumen, sondern gleich eine ganze Wagenladung.

Jetzt hat Regisseur Jon Chu einen 3-D-Film über Bieber gedreht. „Justin Bieber – Never Say Never“ heißt die Dokumentation, die dem Mythos Bieber neues Futter gibt. Chu hat das Teenie-Idol auf seiner 40 Städte umfassenden US-Tournee im vergangenen Jahr begleitet. Dramaturgischer Höhepunkt des Films ist der Auftritt im Madison Square Garden in New York, den Bieber wegen eines grippalen Infekts fast hätte absagen müssen.

Der Film zeigt ihn in 3-D-Optik auf gigantischen Bühnen in Orlando, Los Angelos oder Memphis. Überall sind es dieselben Szenen: Wo immer er auch auftritt, löst er Schreialarm und Massenhysterie aus. Die Mädchen kreischen, weinen und halten die zu Herzen geformten Finger bei den Konzerten in die Höhe. Bereits im September 2009 führte der Ansturm von 3000 Fans zur Absage eines Auftritts in einer Shopping-Mall in Long Island. Bei einem Konzert in Pittsburgh löste der kanadische Sänger Tumulte unter den Besucherinnen aus, nur weil er ein Handtuch ins Publikum geworfen hatte. Er musste das Konzert abbrechen.

Bei „One Less Lonely Girl“ holt er stets ein Mädchen auf die Bühne. er schenkt ihm rote Rosen, umschwärmt es. Und für diesen Moment steht die Einzelne für die Masse. Und die Fans sind ihm ganz nah – nicht nur virtuell. Ein alter Profitrick, aber er funktioniert noch immer.

Immer wieder spannt der Film den Bogen zurück, zu den Anfängen seiner Karriere. Dann werden Videos und Fotos von Biebers Kindheit in dem beschaulichen Städtchen Stratford gezeigt. Hier ist er mit seiner Mutter Pattie Mallette, die von Justins Vater getrennt lebt, aufgewachsen. Das Archivmaterial zeigt den kleinen Bieber als Kind, wie er Gitarre, Keyboard und Schlagzeug spielt. Angeblich hat er sich das Musikmachen selbst beigebracht.

Die Botschaft ist klar: Der Film soll den Fans vermitteln: „Seht her, ich bin einer von euch! Und ich habe es geschafft, meinen Traum zu leben.“ Die Reaktion der Fans auf diese Botschaft könnte eindeutiger nicht ausfallen: „Ich liebe ihn!“, „Er ist heiß!“, „Er ist so süß!“, „Ich mag sein Lächeln!“, „Sein Lächeln!“, „Einfach alles!“, „Seine Haare!“, rufen sie in die Kameras. Sie lieben ihren skandalfreien Saubermann-Popstar, der brav von Verliebtsein und Liebeskummer singt und hofft, dass seine Oma ihm zum Geburtstag Käsekirschkuchen backt und der mit seiner Mama gern shoppen geht. Bieber ist ein aseptischer, disneykompatibler, „sauberer“ Gegenentwurf zur sexualisierten Popwelt einer Lady Gaga oder Rihanna.

Das US-Magazin „Vanity Fair“ hob ihn jüngst auf die Titelseite und fragte: „Ist das das anbetungswürdigste Gesicht 2011?“. Ginge es nach den eingefleischten Fans, fiele die Antwort eindeutig positiv aus.
Der Film „Justin Bieber – Never Say Never“ kommt am 10. März in die deutschen Kinos.

Stefanie Nickel