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Panorama Junge vor ICE gestoßen: Facebook-Post von Augenzeugin bewegt tausende Menschen
Mehr Welt Panorama Junge vor ICE gestoßen: Facebook-Post von Augenzeugin bewegt tausende Menschen
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19:27 31.07.2019
Ein Meer aus Blumen, Kuscheltieren und Beileidsbekundungen hat sich am Gleis 7 des Hauptbahnhofs gebildet. Ein achtjähriger Junge wurde hier am 29. Juli von einem Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet. Quelle: Arne Dedert/dpa
Frankfurt

Die Tat vom Montag, bei der ein in der Schweiz lebender Mann aus Eritrea einen Jungen in Frankfurt vor einen Zug geschubst und getötet hat, schockiert die Menschen. Zahlreiche Politiker haben sich bereits entsetzt geäußert und auch einige der Menschen, die bei dem schrecklichen Vorfall in Frankfurt vor Ort waren, schreiben in den sozialen Medien darüber, was sie erlebt haben und wie sie damit umgehen.

Eine davon ist Karin Schmidt-Friderichs, Verlegerin beim Verlag Hermann Schmidt und Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Auf Facebook hat die 58-Jährige, die eigenen Angaben zufolge „in Frankfurt auf der Höhe der Unglücksstelle zwei Gleise entfernt“ stand und die entsetzliche Tat so hautnah miterlebte, davon berichtet.

Post von Verlegerin zu Tat in Frankfurt wird tausendfach geteilt und kommentiert

„Der entsetzliche Schrei klingt nach. Und das Erlebnis, wildfremde Menschen fest in den Arm zu nehmen, weil sie sichtlich Schockreaktionen zeigen“, schreibt sie in einem Post vom späten Montagabend, der am Mittwochmittag bereits über 18.000 Reaktionen hervorgerufen hat, mehr als 2000-mal kommentiert und mehr als 9000-mal geteilt wurde.

„Ich habe erlebt, dass direkt im Anschluss weintrinkende Menschen auf reservierte Plätze in Ersatzzügen bestehen, aber auch, dass Menschen ihre Koffer öffnen, saubere Kleidung auf den Boden legen, damit verstörte Menschen ihre Füße hochlegen können“, schreibt sie weiter und meint: „Wenn etwas Schlimmes passiert, zeigt sich fratzenhaft der wirkliche Charakter. Gute Züge (im Menschen) werden besser, schlechte schlechter.“

Im Video: 400 Menschen gedenken totem Jungen in Frankfurt

Das gelte der Verlegerin zufolge nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern vor allem auch für Reaktionen aus Politik und Gesellschaft: So hatten sich nach der Tat nicht nur viele Politiker entsetzt und mitfühlend geäußert, sondern einige AfD-Politiker wie Alice Weidel nahmen die Tatsache, dass der mutmaßliche Täter aus Eritrea stammt, auch zum erneuten Anlass, den Umgang mit Flüchtlingen und offene Grenzen zu kritisieren. Dazu schreibt Schmidt-Friderichs: „Der aggressive Täter kam aus Eritrea. Das darf nicht auf alle Menschen mit Migrationshintergrund oder dunkler Hautfarbe übertragen werden. Bitte nein.“ Und weiter: „Die Wahrheit ist komplex. Und immer komplexer als rechte Idioten sie jetzt ausschlachten.“ Ähnlich sehen das viele andere, darunter auch Prominente wie Oliver Pocher, die gegen die rechte Hetze nach der Tat angehen.

Doch Schmidt-Friderichs betont auch das Gute, das sich nach der Tat in vielen Menschen gezeigt habe: „Wir sollten aber auch nicht vergessen, dass heute in Frankfurt wildfremde Menschen einander in den Armen lagen, miteinander weinten und zitterten, einander bei Gleiswechseln mit den Koffern halfen und zusammen rückten, damit drei Menschen auf zwei Plätzen sitzen konnten.“ Sie resümiert: „Ich spüre aber auch, dass das Gute heute am Frankfurter Hauptbahnhof etwas besser war. Und ich wünsche mir so, dass wir auch das sehen. Kultivieren. Ausbauen.“

Verlegerin gedenkt der Mutter, die in Frankfurt ihr Kind verloren hat

Zum Schluss geht sie noch auf die Mutter ein, die an diesem Tag ihr Kind verlor und wohl noch lange mit diesem Trauma zu kämpfen haben wird: „Irgendwo in einem Krankenhaus in Frankfurt liegt eine Mutter, die – selbst ins Gleisbett geschubst – ihr Kind sterben sah. Das Schlimmste, was ein Mensch erleben kann. Ich bin nicht gläubig, aber jetzt vor dem Einschlafen werde ich beten. Für die Frau, die zehn Meter von mir entfernt ihr Kind verlor. Und ich werde bitten, dass die Tatsache, dass der Idiot, der das tat, Eritäer war, das Klima in Deutschland nicht weiter vergiftet...“

Der Facebook-Post von Verlegerin Schmidt-Friderichs zur Frankfurt-Tat

Ich war heute in Frankfurt auf der Höhe der Unglücksstelle zwei Gleise entfernt. Der entsetzliche Schrei klingt nach....

Gepostet von Karin Schmidt-Friderichs am Montag, 29. Juli 2019

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Von RND/hsc

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