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Panorama Japan droht nach Beben der Atom-GAU
Mehr Welt Panorama Japan droht nach Beben der Atom-GAU
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16:28 25.03.2011
Zehntausende Japaner sind durch das furchtbare Erdbeben obdachlos geworden und sind verzweifelt über ihre Situation.
Zehntausende Japaner sind durch das furchtbare Erdbeben obdachlos geworden und sind verzweifelt über ihre Situation. Quelle: dpa

In der am Freitag schwer beschädigten Anlage Fukushima droht nach widersprüchlichen Informationen über eine Kernschmelze in zwei Reaktoren nach Expertenmeinung Gefahr durch hochgiftiges Plutonium. Insgesamt vier Reaktoren in Fukushima waren am Sonntag ohne Kühlung, wie am Abend bekannt wurde. In mindestens einem drohe Explosionsgefahr, hieß es. Am Sonnabend hatte sich aus noch ungeklärten Gründen im Block 1 eine Explosion ereignet. Der Evakuierungsradius wurde auf 20 Kilometer um das Kernkraftwerk ausgeweitet, 210.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Am Sonntag wurde dann für das AKW Onagawa der nukleare Notstand ausgerufen. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete, versagte wenige Stunden später eine Pumpe für das Kühlsystem im Kernkraftwerk Tokai den Dienst. Die Anlage steht 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio, auch sie hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet. Erwartete Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 7,0 könnten die angeschlagenen Reaktoren weiter gefährden, warnten Experten.

Allein in der Katastrophenregion Miyagi, wo das Kraftwerk Onagawa liegt, sind vermutlich mehr als 10.000 Menschen durch das Erdbeben und die folgenden Tsunamis ums Leben gekommen. Das berichten japanische Medien unter Berufung auf den örtlichen Polizeichef. Offiziell wurden bis Sonntagabend mehr als 1500 Leichen gefunden.

Auch zwei Tage nach dem Beben waren am Sonntag große Gebiete an der Ostküste Japans noch von der Umwelt abgeschnitten. Küstenstraßen waren nach wie vor unbefahrbar. Mehr als 20.000 Häuser wurden vom Erdbeben am Freitag zerstört oder beschädigt. Tausende erschöpfte Menschen warten nach den Berichten aus Japan auf Rettung mit Hubschraubern.

Die japanischen Behörden hoben inzwischen die Tsunamiwarnung für die Küstengebiete auf. Am Sonntagmorgen erschütterte ein starkes Nachbeben den Großraum der Hauptstadt Tokio. In der Stadt wankten Hochhäuser.
Dem Hightech-Land drohen nach dem schweren Erdbeben und den Schäden an den Atomanlagen im Nordosten des Landes massive Engpässe in der Stromversorgung. Um große Blackouts zu vermeiden, planen die Stromkonzerne, Energie zu rationieren. Die Maßnahme müsse wohl mehrere Wochen andauern, sagten Regierungsbeamte. Russland und Südkorea liefern Japan Flüssiggas. Beide Länder wollen Rettungskräfte, Ärzte und Psychologen nach Japan schicken.

Auf der anderen Seite des Pazifiks hat der Tsunami in Kalifornien Schäden von mindestens 50 Millionen Dollar (rund 36 Millionen Euro) angerichtet. Dabei handele es sich aber lediglich um eine vorläufige Prognose, sagte Geologie-Professorin Lori Dengler von der kalifornischen Humboldt State University. Die schwersten Schäden richteten die Flutwellen, die über den gesamten Pazifik liefen, in den US-Häfen von Crescent City und Santa Cruz an. Allein in Santa Cruz sanken 17 Schiffe, 50 weitere wurden beschädigt. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown rief in den betroffenen Gebieten den Notstand aus.

Bernhard Bartsch und Lars Nicolaysen

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