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Panorama Jacko – das Genie und der Freak
Mehr Welt Panorama Jacko – das Genie und der Freak
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07:35 27.06.2009
Von Uwe Janssen
Michael Jackson ist nur 50 Jahre alt geworden. War dieser frühe Tod absehbar, wie jetzt viele schon lange geahnt haben wollen? Quelle: Vincent Amalvy/afp

Sein letzter öffentlicher Auftritt dauert keine zwei Minuten. Im Frühjahr 2009 tritt Michael Jackson in London vor ein Mikrofon, um sein Comeback zu verkünden. Ein bizarres Schauspiel. Ein blasser Mann, vor ihm kreischende Frauen und gestandene Mannsbilder mit Tränen in den Augen.

Jackson schafft dreieinhalb Sätze. Er sagt „I love you“, und er redet vom „Final Curtain Call“, dem letzten Vorhang. Mehr als fünfzig Mal sollte dieser letzte Vorhang ab Juli in der Londoner O2-Arena aufgehen und spektakulär an all das erinnern, was der Mann der Popwelt gegeben hat.

Seit diesem Freitag steht fest, dass sich die Popwelt ohne ihn erinnern muss. Der letzte Vorhang ist gefallen. Michael Jackson ist tot.

War dieser frühe Tod absehbar, wie jetzt viele schon lange geahnt haben wollen? War dieses unwirkliche Leben zwischen totaler Abschottung und größtmöglicher Öffentlichkeit, zwischen künstlerischer Heldenschaffung und menschlicher Selbstzerstörung, zwischen Genie und Monster zum frühzeitigen Scheitern verurteilt?

Ein Leben, über das er von Kindheit an keine Kontrolle hatte. Eine Kindheit wie eine Käseglocke, unter der es keine Chance auf normale Entwicklung gab, sondern nur einen prügelnden Vater, der seine acht Kinder mit dem Gürtel dazu trieb, frohe Lieder zu singen. Michaels einziger Spielplatz war ein öffentlicher: die Bühne.

Schnell wurde klar, wer der Star in der Familie ist. Michael stellte seine Geschwister in den Schatten, war Vorsänger und Vortänzer der „Jackson Five“, der den Nesthäkchenbonus bald nicht mehr nötig hatte. „Er singt, als ob er alles selbst erlebt hätte. Dabei ist er doch noch ein Kind!“, staunte Motown-Chef Berry Gordy über den zwölfjährigen Jungen aus Indiana – und nahm ihn und seine Brüder unter Vertrag.

Aus dem Kind Michael Jackson wurde nicht der Jugendliche, sondern der Berufskünstler, der sich die verlorene Kindheit viel später nachbaute, als Neverland-Ranch in Kalifornien. Vielleicht wäre aus dem hochbegabten Jungstar auch nicht mehr als ein hochbegabter erwachsener Soulsänger geworden, wenn seine Wege nicht die von Quincy Jones gekreuzt hätten. Mit den Jackson Five ging es Anfang der Siebziger bergab, Michael suchte einen Produzenten für ein Soloalbum. Jazzproduzent Quincy Jones, von dem er eigentlich nur einen Tipp haben wollte, machte es selbst – und öffnete dem jungen Mann die Tür zu einem neuen Universum.

Er habe „alles in ihm vereint gesehen“, hat Jones später mal gesagt, „James Brown, Fred Astaire, Rock ‘n’ Roll und Disneyland“. Der szenekundige Jazzproduzent und der außerordentliche Soulinterpret machten ein Popalbum. Mit „Off the Wall“ nahm 1979 auch die Wandlung des Michael Jackson Fahrt auf – vom Jugendlichen zum Partydandy im Glitzersmoking. Sound und Bewegungen wurden kantiger. Die Nase auch. Jackson arbeitete an seinem Gesicht so hart, wie er es gewohnt war. D

rei Jahre später sprengte das Duo Jackson/Jones mit dem Album „Thriller“ dann alle Dimensionen. Meistverkauftes Album aller Zeiten. Sieben Top-Ten-Singles. John Landis drehte zum Titelstück einen 14 Minuten langen Zombiefilm, der auch in Deutschland bei seiner groß angekündigten Erstausstrahlung (aus Jugendschutzgründen erst am späten Abend) Millionen Menschen vor den Bildschirm lockte.

Jackson schaffte das, was als Einzelkünstler bis dato nur Elvis geschafft hatte: Die gesamte Popwelt auf sich zu fokussieren. Nicht mit vorlauten Interviews oder Stargebaren, sondern mit seiner Darbietung. Jackson begann, Songs zu performen, Gesang und eine völlig neue Körpersprache zu einem großen Ganzen zu verweben. Dieses große Ganze begann zu dieser Zeit ein Eigenleben. Unter dem Namen Jacko.

Jacko strotzte im Gegensatz zu seinem Schöpfer vor Selbstbewusstsein und sexueller Energie. Hinter dem Schutz der übermächtigen Kunstfigur versuchte Michael Jackson so gut es ging, ein Privatleben zu führen. Es ging nicht. Weil er nicht wusste, wie.

Seine wenigen öffentlichen Auftritte außerhalb von Konzerten – eine Farce. Interviews – so aufschlussreich wie Kreuzworträtsel. Die öffentliche Wahrnehmung des Menschen Jackson fand über die Boulevardmedien statt, eine abstruse Klatschspaltenbiografie, zusammengereimt aus Geschichtchen über heimische Sauerstoffzelte, eine Privatkirmes, einen Affen namens „Bubbles“ und die unerwiderte Liebe zu Diana Ross.

Dazu unscharfe Paparazzifotos von Zoobesuchen in Vermummung. Und öffentliche Spekulationen über die immer weißer werdende Haut des Schwarzen. Das Urteil: ein Freak.

Was den Millionen von Fans blieb, war Jacko. Auf den war Verlass. Jacko lieferte weiter jede Menge Hits, Videos wie das zu „Smooth Criminal“ setzten weiter Maßstäbe, seine Stadionkonzerte waren wie Gottesdienste. Seine Shows schwankten zwischen Genialität und Kitsch, seine Selbstwahrnehmung spielte mit dem Größenwahn.

Jackson verlieh sich den Titel „King of Pop“. Doch während Jacko sich auf dem Cover zum Album „HiStory“ ein Denkmal als steinerner Heroe setzte, verfiel der Mensch Jackson immer mehr.

Seine Fassade war beängstigend, das Gesicht von „Schönheits“-Operationen entstellt. 2004 geriet er (zum zweiten Mal) in den Verdacht des Kindesmissbrauchs, wurde anders als in den Neunzigern auch angeklagt. 2005 wurde Jackson freigesprochen – der Urteilszusatz des „berechtigten Zweifels“ fußt auch auf solchen Aussagen: „Es ist doch nichts Schlimmes, wenn man ein Bett mit Kindern teilt, ich mache ja nichts Sexuelles mit ihnen.“ Er sehe in Kindergesichtern „das Gesicht Gottes“.

Zu einem der Verhandlungstage erschien Jackson im Schlafanzug. Verwundert hat es kaum noch. Auch dieser Auftritt ließ ihn, unabhängig davon, was wirklich passiert war, eher als verirrte, vereinsamte Kreatur erscheinen denn als berechnendes Monster. Nun ist der letzte Vorhang gefallen. Ohne Abschiedskonzerte. Michael Jackson ist nur 50 Jahre alt geworden. Er hinterlässt ein Kapitel Showgeschichte. Es trägt den Namen Jacko.

Sonne im Norden, Schauer, Gewitter und teilweise sogar schwere Unwetter im Süden und in der Mitte Deutschlands so soll sich das Wetter an diesem Sonnabend, dem Siebenschläfertag, nach den Vorhersagen präsentieren.

Mathias Klein 26.06.2009

"Michael Jackson mit Herzstillstand in Krankenhaus in Los Angeles gebracht“, lautete am Donnerstag Abend gegen 23.26 Uhr die erste Eilmeldung, die über die Nachrichtendienste verbreitet wurde. 23.26 Uhr, das war die Minute, in der, wie sich später herausstellte, Jackson im Krankenhaus in Los Angeles bereits für tot erklärt worden war.

04.10.2011

Bei einem schweren Busunglück sind am Freitag auf der Autobahn 24 in Schleswig-Holstein zwei Menschen ums Leben gekommen. Elf weitere Insassen des polnischen Reisebusses wurden zum Teil schwer verletzt.

26.06.2009