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Panorama Immer neue Vorschriften verärgern Niedersachsens Bauern
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00:15 20.12.2012
Von Gabriele Schulte
Bei der Mitgliederversammlung des Landvolks in Hannover sind am Montag viele Bauern verärgert über die immer strenger werdenden Vorgaben für ihre Arbeit. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Zu viele Tierschutz- und Umweltanforderungen gleichzeitig, dazu noch Anfeindungen aus der Bevölkerung erschweren aus Sicht des niedersächsischen Landvolkverbandes derzeit den Bauern das Leben. Bei der Mitgliederversammlung am Montag in Hannover meinte Landvolkpräsident Werner Hilse, die lange „Reihe von Forderungen“ bringe viele dazu, aus Kostengründen ihren Betrieb aufzugeben.

Hilse beklagte, dass Landwirte von wachsenden Teilen der Bevölkerung als Tierquäler bezeichnet würden. „Fast jeder fühlt sich berufen, uns zu sagen, was wir alles anders machen müssen“, sagte Hilse. „Aber moderne Landwirtschaft geht nicht mit Bauernhofromantik und Landlustidylle einher.“ Auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) als Gastredner meinte: Wer investitionswilligen Landwirten mit „kollektivem Misstrauen“ begegne, werde den hart arbeitenden Bauern im Land nicht gerecht.

Massentierhaltung, Vermaisung der Landschaft - das sind Reizwörter, die gewöhnlich Diskussionen anheizen. Ungewohnt große Einigkeit zeigten Vertreter aller Landtagsfraktionen dagegen bei ihrer Podiumsdiskussion vor dem Landvolk. „Große Übereinstimmung über alle fünf Parteien“ stellte der stellvertretende Landvolkpräsident Heinz Korte dort als Moderator einer Podiumsdiskussion fest. Mögliche Erklärung: „In 34 Tagen ist Landtagswahl.“ Die Familien in 80000 landwirtschaftlichen Betrieben, hatte Korte vorgerechnet, stellen eine ernst zu nehmende Wählerschaft dar. So bekamen die Bauern diesmal von allen Seiten viel Lob und wenig Kritik zu hören. Unter besonders kräftigem Applaus umwarb Christian Dürr von der FDP die Landwirte als „mittelständische Unternehmer“, die die Grundlage für Niedersachsens Wirtschaftskraft gelegt hätten. Auch Linken-Fraktionschefin Kreszentia Flauger verlangte Entschädigungen für Bauern, die als Grundeigentümer Ausfälle durch neue Stromtrassen erlitten - sie rief die Landwirte auf, die Linken zu wählen. Den schwersten Stand hatte Christian Meyer von den Grünen, nicht gerade als Freund des Landvolkverbandes bekannt. Doch auch er fand nette Worte: „Viele Landwirte haben Solaranlagen gebaut.“ Für Missstände wie den zu stark angestiegenen Maisanbau sei dagegen die Politik durch ihre „Fehlförderung“ in der Vergangenheit verantwortlich zu machen. Bei Biogasanlagen sei mancherorts „das Ende der Fahnenstange erreicht“, hob Rolf Meyer von der SPD hervor. Neue Biogasanlagen, meinten alle, müssten schnellstmöglich mit weniger Mais und mehr Gülle und Grünschnitt befeuert werden.

Alle Fraktionsvertreter lobten den Tierschutzplan von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) zumindest als „wichtigen Schritt auf das richtige Ziel hin“. Die Grünen wünschen sich die Verbesserungen in der Tierhaltung jedoch zügiger, die Linke fordert ebenfalls, „dass sich Ökolandbau auch lohnt“.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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