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Panorama Im Krankenhaus ist auch der Chefarzt Genosse
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12:59 28.11.2012
Verwaltungsdirektor Ulrich Magdeburg will das Krankenhauses Salzhausen in eine stabilere Zukunft überführen. Quelle: dpa
Salzhausen

Durch die hellen Gänge des kleinen Krankenhauses in der Nordheide geht sie von Zimmer zu Zimmer. „Ich bin seit 42 Jahren im Haus“, sagt Gertraud Maske, in Salzhausen seit jeher nur Schwester Knöppi genannt. Die vergangenen zwölf Jahre ist sie ehrenamtlich als Helferin im Einsatz, im Auftrag der Kirche. Ihr Mann hat hier gearbeitet, und auch die Tochter ist seit 25 Jahren dabei. „Das ist hier wie eine große Familie“, sagt die 77-Jährige, die auch Besorgungen erledigt und die Patienten in Lebensfragen berät. „Das Ländliche, das Private – das ist das Besondere“, betont sie.

Die 75-Betten-Klinik im Landkreis Harburg ist das bundesweit einzige genossenschaftlich geführte Krankenhaus, gegründet vor mehr als 100 Jahren. An der Aufnahme herrscht Andrang, aber die Stimmung bleibt freundlich und gelassen. Viele der Wartenden kennen sich und halten ein Schwätzchen, einige gehen ins kleine Café. Den Anbau haben Firmen und Privatleute aus der Umgebung gespendet. Hinter dem Tresen ist erst am Nachmittag wieder jemand, neben der Kanne mit Kaffee steht nur ein Sparschwein. Beschaulich, doch das Idyll ist bedroht.

„Alle Krankenhäuser haben Probleme, weil die Fallpauschalen der Krankenkassen nicht reichen“, erklärt Verwaltungsdirektor Ulrich Magdeburg. „Aber die kleinen bekommen noch weniger, weil sie die schlechter vergütete Grundversorgung gewährleisten müssen“. Dennoch: „Wir haben all die Jahre eine schwarze Null oder einen symbolischen Gewinn gemacht, aber im vergangenen Jahr wurde kräftig investiert, etwa in den Bau der neuen Operationssäle“, sagt Magdeburg. „Deshalb mussten wir Mitte November unter ein Schutzschirmverfahren schlüpfen, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden.“

Zu niedrige Fallpauschalen moniert auch die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft. Für kleine Kliniken sei es besonders schwer, heißt es dort, auch weil die Grundkosten etwa für den Empfang auf weniger Patienten verteilt werden könnten. Und so droht auch vielen anderen kleineren Häusern die Insolvenz – nicht nur in Niedersachsen.

Eine Spezialisierung solle das Haus in eine stabilere Zukunft überführen, sagt Magdeburg. Dafür möchte er etwa die medizinischen Schwerpunkte wie Lungenheilkunde und Schulterchirurgie ausbauen. Unverzichtbar bleibe aber die Basisversorgung, betont der Verwaltungschef. Dazu gehörten außer einer Internisten-Praxis und den Notfall-Ambulanzen auch Pflege zu Hause, eine ambulante Tagespflege sowie ein Seniorenheimheim. „Ein Gesundheitszentrum, das alle Lebenssituationen abdeckt – das ist unser Ziel“, sagt Magdeburg.

Seine 180 Mitarbeiter machen das 1897 von einem Landarzt gegründete Krankenhaus zum größten Arbeitgeber in dem Ort mit nur 4500 Einwohnern. Zu den derzeit rund 1200 Genossenschaftsmitgliedern gehören Privatleute und Firmen, auch der Chefarzt hat Anteile. „Wir gehören als Deutschlands einzige Klinik den möglichen Patienten“, sagt Magdeburg. „Wo kann man schon für 75 Euro Miteigentümer eines Krankenhauses werden?“

Margarete Bellmann ist seit einer Woche in Salzhausen. „Ich war schon in vielen Krankenhäusern, aber so liebevoll und persönlich wie hier war es nie“, sagt die 60-Jährige aus dem nahen Tötensen munter am Tag vor ihrer Entlassung. „Es wäre zu schade, wenn das kleine Krankenhaus schließen müsste – da ginge ein Stück Menschlichkeit verloren“, erklärt sie mit Blick auf die Großen, die oft als Gesundheitsfabriken geschmäht werden.

„Viele Patienten sind zu gebrechlich, um etwa nach Lüneburg ins Klinikum zu fahren“, sagt Gertraud Maske nachdenklich. Dann hellen sich ihre Züge wieder auf. „Ich bin positiv eingestellt, ich glaube, dass es weitergeht“, sagt sie und geht ins nächste Zimmer. Bis Mitte Februar hat Magdeburg Zeit, einen Sanierungsplan auszuarbeiten.

dpa

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