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Panorama Illegaler Artenhandel boomt
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08:25 29.04.2012
Foto: Zahlreiche Präparierte Tiere lagern im Zoll-Lager in Bad Hersfeld. Es ist eine der größten Sammelstellen für Artenschutz in Deutschland.
Zahlreiche Präparierte Tiere lagern im Zoll-Lager in Bad Hersfeld. Es ist eine der größten Sammelstellen für Artenschutz in Deutschland. Quelle: dpa
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Bad Hersfeld

Beim Zoll in Bad Hersfeld nennen sie den Kellerraum die „Kammer des Schreckens“. „Beim Anblick überkommt mich Zorn und Ekel. So ein dickes Fell kann man sich gar nicht zulegen“, sagt Rolf Richter, einer der Artenschutz-Fachmänner des Zolls, und schaut in die Regale. In ihnen lagert eine Auswahl an Fundstücken, die illegal nach Deutschland gebracht und entdeckt wurden: Bedrohte Tiere und Pflanzen sind zu sehen, zum Teil bereits weiterverarbeitet.

Ein Zebrafuß, die Haut eines Krokodils und etliche Gläser mit in Schnaps einlegten Schlangen. „In Asien gilt das als Medizin und wird für die Potenz getrunken“, erklärt Richter. Neben den Gläsern liegen Korallen und andere Ziergegenstände. Auch Gebrauchsgüter finden sich dort, für die seltene Tiere und Pflanzen ihr Leben lassen mussten. Die Einfuhr bedrohter Arten nahm zuletzt wieder zu; teils bringen Reisende sie aus Unwissenheit weit, meist steckt aber ein kriminelles Geschäft dahinter.

Der Frankfurter Flughafen ist eines der größten Einfallstore für den illegalen Import. Rund 25.500 Mal musste der Zoll dort im vergangenen Jahr in Sachen Artenschutz eingreifen – dreimal so oft wie im Vorjahr. „Neben Drogen und Waffen sind bedrohte Arten das lukrativste Schmuggelgeschäft“, sagt Michael Bender vom Zoll Gießen. Deshalb hat der Zoll aufgerüstet: Zwei Artenschutz-Spürhunde verrichten dort mit wachsendem Erfolg ihren Dienst.

Weil Lagerflächen am Frankfurter Airport teuer sind, werden die Fundstücke nach Bad Hersfeld gebracht. Dort hat der Zoll eines der größten Lager Deutschlands für beschlagnahmte Tiere und Pflanzen eingerichtet. Angefangen von einem Sack mit Seepferdchen über Bekleidung und Accessoires aus Tieren bis hin zu Haifischgebissen, Elefantenstoßzähnen und einem Nilpferd-Schädel.

Auch Bender kann beim Anblick des Lagers nur den Kopf schütteln. Da sind noch ein Rotluchs-Mantel, eine mit Schlangenhaut bezogene E-Gitarre und eine Tasche mit einem Schildkrötenpanzer. Häufig wird auch versucht, lebende Tiere nach Deutschland zu bringen: Schildkröten im Kulturbeutel, Papageien-Eier in der Unterhose, Vögel versteckt in engen Plastikrollen oder Pfeilgiftfrösche verborgen in Trinkflaschen.

Riesige Gewinnspannen

Der illegale Handel mit bedrohten Arten boomt, wie die Naturschutzorganisation WWF mit Sorge beobachtet. Interpol schätzt, dass der Handel mit geschützten Tiere und Pflanzen 20 Milliarden US-Dollar jährlich einbringt. Die Gewinnspannen seien riesig. „Das muss eingedämmt werden“, sagt Zöllner Bender.

Viele Touristen nehmen allerdings aus reiner Unwissenheit unerlaubte Souvenirs aus dem Urlaub mit. „Man kann schnell in die Falle tappen, kauft für ein paar Euro etwas am Urlaubsort, obwohl das streng geschützt ist.“ Für vieles seien Aus- und Einfuhrgenehmigungen erforderlich.

Der WWF rät Reisenden deshalb, sich vorab über die Bestimmungen zu informieren. Und: „Im Zweifelsfall die Finger davon lassen“. Sonst drohen am Flughafen Bußgelder. Für eine faustgroße Koralle würden etwa 30 Euro verlangt – und das Nesseltier einkassiert. Professionellen Schmugglern drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro oder auch Haftstrafen.

Der WWF will mit Aufklärung in die Offensive gehen. 150 Koffer werden derzeit mit Fundstücken des Zolls bestückt - damit wollen die Naturschützer in Schulen über den Artenschutz informieren und die Hintergründe des Handels mit bedrohten Arten beschreiben.

dpa

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