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Panorama Chris Hemsworth ist nur Haut und Knochen
Mehr Welt Panorama Chris Hemsworth ist nur Haut und Knochen
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08:16 24.11.2015
Ganz schön wandlungsfähig: Chris Hemsworth in der Rolle des schiffbrüchigen Walfängers Owen Chase und als muskelbepackter Thor. Quelle: Jay Maidment/Marvel/dpa/Twitter
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Los Angeles

Wie haben Sie das hinbekommen?
Es war bei Gott kein Vergnügen. Ich durfte nur 500 Kalorien am Tag essen. Ich kann so etwas niemandem empfehlen. Ich habe ständig nur noch an Essen gedacht. Wenn ich mal ein Stück Schokolade gegessen habe, musste ich dann später auf was anderes verzichten. Es war eine Tortur.

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Im Film sind Sie zwar nicht der Kapitän, aber dennoch der wahre Anführer der Schiffscrew. Sind Sie von Natur aus auch ein Leader?
Ich denke, so etwas sollten andere beantworten. Aber ich denke, es liegt mir schon etwas, Anführer zu sein. Als Kind war ich auch immer Kapitän – von meinen Fussballteams.

Was war das Schwierigste, was Sie bisher im Leben meistern mussten?
Kinder haben! Eindeutig (lacht).

Sie und Ihre Frau Elsa Pataki haben inzwischen drei davon. Könnten Sie sich vorstellen, so wie im Film zwei bis drei Jahre von der Familie getrennt zu sein?
Oh mein Gott, nie im Leben könnte ich das. Wir haben die 2-Wochen-Regel. Länger kann ich niemals von zu Hause weg sein. Unsere Zwillinge Tristan und Sasha sind noch zu klein, aber meine Tochter India ist dreieinhalb und merkt inzwischen schon, wenn ich länger nicht da bin. Sie hat mich neulich nach zwei Tagen angerufen und gefragt "Papa, kommst du nach Hause?". Ich konnte meine Tränen nicht zurück halten.

Nehmen Sie denn Ihre Familie nie mit zum Set?
Ja klar, wenn es ein längeres Shooting ist. Aber wenn es unter zwei Wochen dauert, dann ist das für die Kids zu hart, sich an eine neue Umgebung gewöhnen zu müssen.  Mit drei Kleinkindern zu reisen ist ein logistischer Albtraum. Besonders weil sie oft im Flugzeug nicht schlafen. Sie verstehen auch das Konzept nicht, dass man im Sitz bleiben soll und klettern im Flugzeug herum. Elsa und ich haben schon so einige hasserfüllte Blicke von Mitreisenden bekommen.

Wie ähnlich sind sich Ihre Zwillingssöhne?
Ohne Namen nennen zu wollen, der eine ist viel frecher als der andere und stiftet zum Unsinn an. Wenn er sich beim Essen den Löffel ins Ohr steckt, macht der andere mit. Und sie sind erst eineinhalb Jahre alt. Ich mag mir kaum ausmalen, was die in ein paar Jahren dann machen. 

Und Ihre Tochter ist einfacher?
Nicht für meine Knie. Sie ist davon besessen, ein Hund zu sein. Und ich muss dann auch immer einen Hund spielen und auf allen Vieren herumkrabbeln. Da merke ich, dass ich älter werde.

Chris Hemsworth und seine Frau Elsa Pataky. Das Paar hat zusammen drei Kinder. Quelle: EPA/DAN HIMBRECHTS

Gönnen Sie und Ihre Frau sich auch manchmal eine Auszeit ohne Kids?
Ja. Ab und zu gehen wir dann auch mal allein zum Dinner. Doch es dauert oft nicht lange und was tun wir - wir reden über die Kinder. (lacht) Ich glaube viele Eltern wissen, wovon ich rede.

Sie sind in Australien am Meer aufgewachsen. Sind Sie seefest?
Leider nicht wirklich. Als Surfer ist man eher im Meer, das ist was anderes als auf dem Meer. Ich weiss noch, dass ich immer seekrank geworden bin, wenn ich mit meinem Vater Hochseefischen war. Deshalb hatte ich mir vor den Dreharbeiten eine Menge Pillen gegen Seekrankheit eingepackt. Gottseidank. Denn 70 Prozent der Crew hing in den ersten zwei Wochen ständig über der Reling.

Für Tierschützer ist der Walfang Barbarei.  Wie stehen Sie dazu?
Ich habe großen, großen Respekt für unsere Umwelt und setzte mich leidenschaftlich für den Schutz aller Kreaturen auf unserer Erde ein. Dieser Film ist alles andere als Pro-Walfang, sonst hätte ich da nie mitgespielt. Ich bin als Surfer in Northern New South Wales quasi mit Walen aufgewachsen. Ich habe jeden Tag gesehen, wie sie Saltos gemacht und mit riesigen Platschern zurück ins Wasser gefallen sind. Man kann sich glücklich schätzen, so etwas zu erleben.

Chris Hemsworth mit Regisseur Ron Howard (links) bei der Premiere ihres neuen Films "Im Herzen der See" in Mexico City. Quelle: EPA/MARIO GUZMAN

Was tun Sie für den Umweltschutz?
Es beginnt mit den täglichen kleinen Dingen. Lichter ausmachen, wenn man den Raum verlässt ist eines. Kein extra Müll verursachen. Und wenn ich Müll am Strand sehe, dann hebe ich ihn auf und werfe ihn weg. Am Ende geht es darum, dass wir alle auf solche Kleinigkeiten achten.

Ohne zu viel zu verraten, im Film geht es um das nackte Überleben. Glauben Sie, Sie könnten jemanden umbringen, um selbst überleben zu können?
Ich glaube nicht. Ich würde mir wünschen, dass man niemals seinen moralischen Kompass ausstellt. Doch erst wenn man selbst in eine solche Extremsituation gerät, kann man das wirklich nachvollziehen. Und wenn es darum ginge, meine Kids wieder zu sehen….wer weiß?

Sie kommen als kühler Kopf rüber, den nichts erschüttern kann.
Das täuscht. Ich kann auch in Panik geraten. Ich hatte mit meiner Familie eine kleine Yacht mit Crew gechartert und wir haben uns verschiedene Inseln angeschaut. Auf dem Rückweg wurde es schon dunkel und plötzlich sind die Lichter ausgegangen und die Navigationsgeräte auch. Als nächstes kam das lauteste Krachen, das ich je gehört habe. Ich bin zwei Meter durch die Luft geflogen. Wir sind auf ein Riff aufgelaufen. Ich habe nach meiner Tochter gesucht in der Dunkelheit. Gottseidank waren sie, meine Frau und meine Söhne unverletzt geblieben.

Ist das Boot gesunken?
Wir hatten kein Leck. Wir haben SOS gefunkt und die Küstenwache hat uns in den Hafen gezogen. Aber es hätte viel schlimmer ausgehen können, wenn wir frontaler ins Riff gerauscht und der Seegang höher gewesen wäre. Danach schätzt man um so mehr, wenn seine Familie gesund und munter ist.

Von Dierk Sindermann

Der Film "Im Herzen der See" startet in Deutschland am 3. Dezember 2015.

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