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Panorama Hunderttausend Sandsäcke gegen die Flut
Mehr Welt Panorama Hunderttausend Sandsäcke gegen die Flut
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23:38 27.05.2010
Polen hat das Hochwasser sehr getroffen: Evakuierung in Sokolniki.
Polen hat das Hochwasser sehr getroffen: Evakuierung in Sokolniki. Quelle: dpa
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Die Lage sei ernst, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Donnerstag in Frankfurt (Oder). Im Unterschied zu der verheerenden Flut von 1997 gebe es nun allerdings moderne und neue Deiche zum Schutz der Bevölkerung. „Heute hat die entscheidende Phase des Oderhochwassers für Brandenburg begonnen“, betonte Innenminister Rainer Speer (SPD). Die Situation sei – trotz steigender Pegel – stabil. Noch am Donnerstagabend wurde der Höchststand des Wassers am Pegel Ratzdorf erwartet.

Im Landkreis Oder-Spree – vom Pegel Ratzdorf bis vor den Toren von Frankfurt (Oder) – gilt weiter die höchste Alarmstufe 4. In Ratzdorf stieg der Pegel um 15 Uhr auf 6,23 Meter, in Eisenhüttenstadt auf 6,40 Meter, wie das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) mitteilte. Es wurde damit gerechnet, dass auch in der Grenzstadt in der Nacht die höchste Alarmstufe ausgerufen werden sollte.

Dann können Deiche und Dämme brechen. Das Oder-Hochwasser werde vermutlich etwa einen halben Meter niedriger ausfallen als 1997, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, in Ratzdorf. Im Landkreis Märkisch-Oderland – von Lebus im Süden bis nach Hohenwutzen im Norden – ist am Nachmittag Stufe 3 ausgerufen worden.

Ein Sprecher des Innenministers, Wolfgang Brandt, warnte vor Panik. „Es gibt keinen Grund, dass jemand Katastrophenalarm auslösen will.“ Bislang seien keine Evakuierungen angeordnet worden. Trotz der rund 220 Millionen Euro teuren Sanierung der Oderdeiche nach der großen Flut 1997 gelten einzelne Abschnitte weiter als kritisch. So wurde mit bislang rund 15 000 Sandsäcken ein Stück unsanierten Deiches in der Neuzeller Niederung (Oder-Spree) gesichert. Auch in Brieskow-Finkenheerd wurde ein Deichabschnitt mit Planen und Sandsäcken geschützt.

„Das Wasser steigt sehr viel langsamer als gestern“, sagte Freude. Der Höchststand werde voraussichtlich zwei bis drei, eventuell auch vier Tage in Ratzdorf stehen. „Wir kriegen eine ganze Weile sehr hohe Wasserstände“, sagte er.

Allerdings sei das Hochwasser nicht mit dem von 1997 zu vergleichen. Die neuen Deiche seien robust und könnten mehrere Tage dem Wasser standhalten. Sie verfügten über sogenannte Flächenfilter, die Wasser aufsaugen, ähnlich wie eine Windel.

Zahlreiche Helfer sind im Einsatz, darunter Deichläufer, die die Lage rund um die Uhr beobachten. Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und andere Hilfsorganisationen stehen in Bereitschaft. Nach Angaben von Innenminister Speer wurden sie bislang noch nicht angefordert.

Die Lage ist nicht nur auf der deutschen Seite angespannt: In der Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), Slubice, liegen einige Stadtteile tiefer. Dort besteht die Gefahr von Überflutungen. Einwohner waren aufgefordert worden, am Wochenende die Stadt zu verlassen. Ob die Lage so ernst wird, dass eine offizielle Evakuierung nötig ist, hätten die Behörden in Slubice bislang offen gehalten, sagte ein Sprecher von Frankfurt (Oder).

Leticia Witte und Anja Sokolow

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