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Panorama Höxter-Angeklagte schildert grausame Details
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12:43 06.12.2016
In diesem Haus in Höxter soll das Paar über Jahre mehrere Frauen gequält haben. Quelle: dpa
Paderborn

Im Mordprozess um das „Horror-Haus“ von Höxter hat die angeklagte Angelika W. die Leidenszeit einer der getöteten Frauen mit grausamen Details geschildert.

Im Beisein der Mutter des Opfers, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, berichtete die Angeklagte am vierten Verhandlungstag am Dienstag vor dem Landgericht Paderborn über das monatelange Martyrium der Frau, deren Leiche die Angeklagten in einer Kühltruhe gelagert, später zerstückelt und dann in einem Ofen verbrannt haben sollen.

Demnach wurde diese eine Zeit lang nachts mit Handschellen und einer Kette an ein Heizungsrohr gebunden. Sie sollte nicht auf die Toilette gehen können, um ihren Ehemann und heutigen Angeklagten Wilfried W. nicht im Schlaf zu stören, wie die Angeklagte aussagte. Nässte sie sich ein, wurde sie dafür bestraft, zum Beispiel mit heißem Wasser.

Angekettet in der Badewanne

Der Angeklagte soll Anika W. auch Pulver ins Essen gemischt haben, das diese nicht vertrug. Später habe die Frau aus Niedersachsen nur noch in einer Badewanne schlafen dürfen. Auch hier sei sie wieder angekettet worden. Die Mutter des Opfers nahm die Schilderungen unter Tränen und kopfschüttelnd auf.

Angelika W. (47) und ihrem mitangeklagten Ex-Mann Wilfried W. (46) wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Frauen mit Kontaktanzeigen in ihr Haus nach Ostwestfalen gelockt zu haben, um sie brutal zu misshandeln. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien. Angeklagt sind die beiden wegen Mordes.

Die 47-Jährige Angeklagte hatte bereits an den zurückliegenden Prozesstagen umfangreich ausgesagt. Dabei stand anfangs ihre eigene Leidensgeschichte im Vordergrund der Befragung. Sie gab an, selbst immer wieder von ihrem Ex-Mann geschlagen, getreten, verbrüht und brutal drangsaliert worden zu sein. Ihr mitangeklagter Ex-Mann Wilfried W. habe sie schwer mit heißem Wasser im Nacken, an der Schulter und am Arm verbrüht, schilderte die 47-Jährige. Außerdem habe er ihr die „Arme mit Feuerzangen verbrannt“, ihre „Hände auf heiße Herdplatten gedrückt“.

Mehr als 70 Strafmaßnahmen

Vor einer Woche hatte sie dann eine Liste der Grausamkeiten präsentiert. Dabei ging es um das Strafsystem, mit dem die Opfer mit mehr als 70 Strafmaßnahmen gefügig gemacht wurden. Angelika W. belastete darin sich selbst – und ihren Ex-Mann. Mal war sie es demnach, die triezte, schlug, würgte oder die Frauen im Schweinestall ankettete. Mal war es der mitangeklagte Wilfried W., der mit der Schaufel zuschlug, die Frauen verbrühte, ihnen die Beine wegtrat, mit dem Gürtel peitschte oder ihnen die Luft abdrückte.

Der angeklagte Mann schweigt bislang.

Von dpa/RND/zys