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Panorama Höchststrafe nach Mord an fünfjährigem Julian
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13:11 14.12.2010
Das Landgericht Hildesheim hat den 27-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Quelle: dpa
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Höchststrafe für einen Kindermörder: Vier Monate nach dem brutalen Tod des fünfjährigen Julian im Weserbergland hat das Landgericht Hildesheim einen 27-Jährigen am Dienstag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Junge war nach stundenlanger Prügel des unter Drogen stehenden Mannes schließlich an inneren Blutungen und einer schweren Hirnverletzung gestorben. „Bei allen Taten war der Angeklagten nicht vermindert schuldfähig“, sagte der Vorsitzende Richter, Ulrich Pohl, in den Urteilsbegründung.

Der unter Drogen stehende Mann habe in gefühlloser, mitleidloser Gesinnung agiert, betonte der Richter. „Die Tat beinhaltet ausgesprochen abstoßende Handlungen.“ Immer wieder sei der Ziehvater ins Kinderzimmer gekommen und habe den Jungen mit den Fäusten und einem Gürtel geschlagen - gegen den Kopf, auf den Hintern und vor allem massiv in den Genitalbereich. Außerdem habe er das festgebundene Bein des Fünfjährigen derart heftig verdreht, dass er einen Spiralbruch am Oberschenkel erlitt.

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„Er hatte Lust am Quälen und urinierte sogar auf den geschundenen, nackten Körper des Jungen“, betonte Richter Pohl. Insgesamt zog sich das Martyrium Julians über drei Stunden hin. Die Mutter war währenddessen die Nacht über mit Julians jüngerem Bruder im Krankenhaus.

Als der arbeitslose Maurer am nächsten Morgen entdeckte, dass er den Jungen totgeschlagen hatte, stopfte er die Leiche in einen Müllsack und versteckte sie in einer angrenzenden Garage. Erst am folgenden Tag entdeckte die Polizei die Leiche. Perfiderweise hatte sich der Mörder noch Stunden zuvor an der Suche nach dem Jungen beteiligt. Er hatte alle, auch Julians Mutter, in dem Glauben gelassen, der Junge sei von selbst verschwunden.

Eine besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung des Angeklagten nicht fest. Diese habe nicht die Steuerungsfähigkeit des Mannes beeinflusst, betonte der Richter.

dpa

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Rund drei Monate nach dem gewaltsamen Tod des fünfjährigen Julian aus Delligsen in Niedersachsen hat am Montag der Prozess gegen den Ziehvater des Jungen begonnen. Der vor dem Landgericht Hildesheim angeklagte 27-Jährige soll das Kind im Drogenrausch stundenlang geschlagen haben, bis es starb. Zum Prozessauftakt verweigerte er die Aussage.

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