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Panorama Hochwassergefahr in Brandenburg scheint gebannt
Mehr Welt Panorama Hochwassergefahr in Brandenburg scheint gebannt
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08:39 11.08.2010
In vielen Orten liefen am Dienstag bereits die Ausfräumarbeiten an - wie hier in Hagenwerder südlich von Görlitz. Quelle: dpa
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Die Wassermassen erreichten am Nachmittag bei Ratzdorf (Oder- Spree) die Oder, die die Flut nach Expertenmeinung problemlos aufnehmen kann. In Cottbus herrschte weiter Katastrophenalarm. Dort stieg der Pegelstand der Spree, deren Hochwasser kontrolliert in Richtung Berlin abfließen soll. In der Hauptstadt rechnet man aber nur mit leichten Wasserstandserhöhungen von 10 bis 20 Zentimetern.

Bei Grießen (Spree-Neiße) südlich von Guben hielt ein Deich den Wassermassen nicht stand, das Städtchen wurde aber nicht überflutet. In Guben wurden zwei Straßen in der Nähe des Flusses überspült, Keller liefen voll. Auf der polnischen Seite in Gubin floss der Fluss der Nachrichtenagentur PAP zufolge an zwei Stellen über die Ufer und flutete neun Straßen. Anderenorts konnten Bewohner wieder in ihre Häuser zurück. Die rund 140 Bewohner von Klein Bademeusel konnten am Dienstag am Dienstag in den Forster Ortsteil zurück, der am Montagabend evakuiert worden war.

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Landesweit kämpfen in Brandenburg nach Angaben des Innenministeriums rund 700 Helfer gegen die Wassermassen. Nach Ansicht von Ministerpräsident Matthias Platzeck muss sich das Land darauf einstellen, häufiger in diese Lage zu kommen. „Wir werden da keine Ruhe haben“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag im Hochwassergebiet der Nachrichtenagentur dpa. Die Folgen des Klimawandels seien zu spüren. Der Katastrophenschutzstab zeige in der aktuellen Situation aber, wie gut er der Lage gewachsen sei. „Wir sind ein gut trainiertes Land.“

An der Talsperre Spremberg, der eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung des Spree-Hochwassers zukommt, lief alles nach Plan. Aus ihr läuft inzwischen kontrolliert Wasser Richtung Norden ab. Entscheidend ist für das benachbarte Cottbus nun, dass die Flutwelle nicht allzu stark anschwillt.

„Für die Spree hat sich das ganz große Problem, denke ich, heute geklärt“, sagte Brandenburgs Landesumweltamt-Chef Matthias Freude bei einem Besuch an der Talsperre der Nachrichtenagentur dpa. Zur Entspannung der Hochwassersituation war am Morgen mit der Flutung begonnen worden. Zunächst wurden 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde laut Landesumweltamt aus dem Stausee in die Spree abgelassen. Später sollten es rund 70 Kubikmeter werden.

Der Abfluss durch die Wehre wird langsam erhöht, um die Auswirkungen im Blick zu behalten. Vor allem gelte es, die Spree im Bereich Cottbus nicht zu überlasten. Das sei eine „sehr sensible Angelegenheit“, so Freude. Platzeck betonte: „Wir dürfen die Talsperre nicht volllaufen lassen, weil Regen angesagt ist.“ In der mit 100 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Brandenburgs herrschte darum weiter Alarm. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde der höchste Wasserstand am Abend erwartet. Vorsorglich sind in der Stadt an der Spree Deichläufer im Einsatz.

Auch in Guben blieb die Situation angespannt. Am Morgen lag der Hochwasserscheitel der Stadt bei einem Pegelstand von 6,23 Metern, bis zum Mittag (12.00) erreichte er laut Behörden 6,27 Meter, stagnierte dann jedoch. An der Oder, in die die Neiße mündet, wurde für Dienstagabend die Alarmstufe 1 für Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) erwartet, in Frankfurt (Oder) wird für Mittwoch damit gerechnet. „Wir haben Entspannung an Spree und Neiße, aber keine Entwarnung“, betonte Umweltministerin Anita Tack (Linke).

dpa

10.08.2010
10.08.2010