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Panorama Hirtenbrief lässt deutsche Missbrauchsfälle unerwähnt
Mehr Welt Panorama Hirtenbrief lässt deutsche Missbrauchsfälle unerwähnt
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22:22 21.03.2010
„Mit Demut“: Der Papst wendet sich an Opfer und Schuldige. Quelle: dpa
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Dankbar nahm Brady, vergangene Woche selbst wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch ihm unterstellte Priester ins Zwielicht geraten, die Loyalitätsbekundung entgegen. Die Botschaft Benedikts XVI., sagte er, verschaffe der irischen Kirche eine Chance zur „Neugeburt und spirituellen Erneuerung“. Eine Notwendigkeit zum Rücktritt sah der Kardinal nicht mehr: Den hat der Papst ja nicht ausdrücklich verlangt.

Auch deshalb gibt es neben der Anerkennung und dem Lob für die so einfühlsamen wie deutlichen Worte aus Rom auch Enttäuschung. Nicht nur bei den irischen Opferverbänden, sondern auch bei Reformgruppen in Deutschland. Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ beispielsweise vermisst Vorschläge für „strukturelle Verbesserungen“.

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Rückhaltlos aber hat Benedikt XVI. in seinem Brief den jahrzehntelangen, mehrtausendfachen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verurteilt. Die von Priestern und Ordensleuten begangenen Taten hätten „das Licht des Evangeliums in Irland so verdunkelt, wie es nicht einmal zu Zeiten politischer Verfolgung der Fall war“.

Auf die Situation in anderen Ländern geht Benedikt XVI. nicht ein. Die offizielle deutsche Kirche versteht den Brief trotzdem als Weisung. Erzbischof Robert Zollitsch betonte, er habe „Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland“.

„Mit Demut“ wendet sich Benedikt XVI. an die Opfer in Irland; ihr Vertrauen, ihre Würde seien verletzt worden: „Im Namen der Kirche drücke ich den Opfern offen die Scham und die Reue aus, die wir alle empfinden.“ Persönlich bekräftigt er seine Bereitschaft, sich – wie bereits bei seinen Reisen in die USA und nach Australien – „auch in Zukunft mit Opfern sexuellen Missbrauchs zu treffen und ihnen zuzuhören“.

Hart geht Benedikt XVI. die schuldigen Kleriker und Ordensleute an. Sie sollten „offen ihre Schuld zugeben, ohne etwas zu verheimlichen“, sowie „persönlich Schadenersatz leisten für ihre Taten“. Bisher hat die katholische Kirche in Irland an rund 12.000 Opfer eine Entschädigung von durchschnittlich 65 000 Euro gezahlt, unter der Bedingung allerdings, dass sie auf eine Klage gegen die Kirche verzichteten. Benedikt XVI. ruft die Priester nun auf, sich den weltlichen Gerichten zu stellen. Der Papst kündigte an, in „einige Diözesen, Priesterseminare und Ordenshäuser“ päpstliche Kontrollkommissionen zu entsenden. Außerdem müssten sich „alle Bischöfe, Priester und Ordensleute neu missionieren lassen“.

Den ausführlichen Hirtenbrief in der Übersetzung von Radio Vatikan finden Sie hier.

Paul Kreiner und Peter Nonnenmacher

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