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Panorama Hildesheim nimmt Abschied von Altbischof Homeyer
Mehr Welt Panorama Hildesheim nimmt Abschied von Altbischof Homeyer
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19:20 11.04.2010
Von Michael B. Berger
Glaubensbrüder haben am Sonnabend Abschied von Altbischof Josef Homeyer genommen.
Glaubensbrüder haben am Sonnabend Abschied von Altbischof Josef Homeyer genommen. Quelle: dpa
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Schützen stehen am Sarg Spalier, vor dem sich Ritter des Johanitterordens, Studenten katholischer Verbindungen, sowie Dutzende von Bischöfen aus aller Welt verneigen. In einem außergewöhnlichen Gottesdienst in der Hildesheimer Basilika St. Godehard haben am Sonnabend 1000 Gäste aus Kirche, Gesellschaft und Politik vom früheren Hildesheimer Bischof Josef Homeyer Abschied genommen, der am 30. März im Alter von 80 Jahren gestorben ist.

Schon die Zahl der internationalen Gäste zeigte die Weltläufigkeit Homeyers, der zuletzt als Präsident der Europäischen Bischofskommission gewirkt hat und von 1983 bis 2004 an der Spitze des Diaspora-Bistums stand. Homeyers Nachfolger Bischof Norbert Trelle erinnerte daran, dass sein Vorgänger besonders intensiv die Friedensarbeit mit dem Osten betrieben habe, weil er selbst noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte. „Er war 16 Jahre alt, als der Krieg zuende war und gehörte zu einer Generation, die mitten in den Trümmern von Münster, Köln, Hannover oder Hildesheim stand.“

Homeyer habe sich auch im übertragenen Sinn stets daran gemacht, Trümmer aus dem Weg zu räumen. In seiner warmherzigen Predigt zeichnete Trelle Homeyer als einen „unbürgerlichen“ Intellektuellen, der sich stets an die Seite der Schwächeren gestellt habe – „von der Schwangerschaftskonfliktberatung bis zu Renovabis“. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hob für die Deutsche Bischofskonferenz Homeyers Sinn für die Klärung politischer Fragen hervor, den er bereits als Sekretär der Bischofskonferenz bewiesen habe. Trotz der Weltläufigkeit habe Homeyer seinen Bischofssitz nicht von Hildesheim nach Hannover verlegt, merkte Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens an.

Indes war die zweieinhalbstündige Trauerfeier, an der auch Ministerpräsident Christian Wulff sowie Landtagspräsident Hermann Dinkla teilnahmen, weniger durch Reden, sondern mehr durch Gesänge und Gebete geprägt. Zum Abschluss des Gottesdienstes, indem die katholische Kirche sich mit all ihrer liturgischen Pracht darbot, wurde Homeyers Sarg in einer langen Prozession in ein Seitenschiff der Basilika gebracht und dort in einer Gruft versenkt. Bis zum Jahr 2015 soll der tote Bischof hier ruhen – bis der Dom saniert ist.