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Panorama „Hells Angels“-Mordprozess in Kaiserslautern begonnen
Mehr Welt Panorama „Hells Angels“-Mordprozess in Kaiserslautern begonnen
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16:31 22.12.2009
In Kaiserslautern hat der „Hells Angels“-Mordprozess begonnen.
In Kaiserslautern hat der „Hells Angels“-Mordprozess begonnen. Quelle: ddp
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Mehrere Hundertschaften Polizeibeamte sicherten das Gerichtsgebäude, in dessen Nähe sich rund 1000 Mitglieder der „Hells Angels“ und der rivalisierenden „Outlaws“ - einige von ihnen sogar aus Nachbarländern wie Luxemburg und Belgien - versammelt hatten.

Mit einer guten halben Stunde Verspätung begann der Prozess gegen den 42-jährigen Marcus S. und den 28-jährigen Danny A. Sie sollen in der Nacht zum 27. Juni gemeinsam mit einem dritten, noch flüchtigen 27-jährigen „Hells Angel“ den Regional-Präsidenten der „Outlaws“ ermordet haben.

Es kam jedoch nicht einmal zu einer Anklageverlesung: Danny A.s Verteidiger brachten einen Besetzungseinwand gegen eine Beisitzende Richterin ein und erklärten ausführlich, warum die 4. Kammer für Schwurgerichtssachen, der die Richterin angehört, für den Fall nicht zuständig sei. Außerdem sei sie noch in der Probezeit, während ihr Platz von einem Berufsrichter auf Lebenszeit besetzt werden müsse.

Die Zuschauer, aufgeteilt in zwei Blöcke nach „Hells Angels“ und „Outlaws“, langweilten sich unterdessen hörbar. Als der Vorsitzende Richter Rupert Stelin den Verteidiger von Marcus S. aufrief und fragte, ob er sich äußern wolle, wurden Schimpfworte aus den Reihen der „Hells Angels“ gerufen. Marcus S. ist der einzige, der bisher ausgesagt hat und sich auch mittlerweile im Zeugenschutzprogramm befindet. Alle Anwälte der Verteidigung wollten sich nicht äußern.

Das Motiv für den Mord, so der Stand der Ermittlungen, war offenbar ein Streit wegen einer sogenannten Gebietsübertretung: Eine Woche vor der Tat fuhr Marcus S. demnach mit seinem Motorrad nach Bad Kreuznach und betrat dort mit seiner „Hells Angels“-Kleidung eine von „Outlaws“-Mitgliedern besuchte Kneipe. Daraufhin wurde er von einigen „Outlaws“ verprügelt. Um sich dafür zu rächen, drängten er und seine mutmaßlichen Komplizen einige Tage später den 45-jährigen „Outlaws“-Präsidenten Dirk O. mit seinem Motorrad nachts von einer Landstraße in der Pfalz.

Marcus S. hatte nach seiner Verhaftung ausgesagt, es sei eigentlich nur geplant gewesen, einem zufällig ausgewählten „Outlaws“ das zurückzuzahlen, was ihm selbst passiert sei. Seine beiden jüngeren Kumpane traktierten Dirk O. aber mit einem Teleskopschlagstock und einem Messer so sehr, dass dieser später in der Nacht im Krankenhaus starb. Als Dirk O. außer Gefecht gesetzt war, stahlen die Angreifer ihm außerdem seine mit Clubabzeichen bestickte Lederweste, die „Kutte“, als Trophäe.

Der zweite Prozesstag ist nun für den 7. Januar angesetzt, dann wird die Strafkammer zuerst einmal entscheiden, ob der Besetzungseinwand gerechtfertigt ist. Danach soll zweimal die Woche verhandelt werden. Insgesamt 80 Zeugen und zwei Gutachter sind für die Hauptverhandlung geladen, ein Urteil wird frühestens Ende März erwartet.

Nach Angaben des Gerichtssprechers werden die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen im Gericht durchgehend bestehen bleiben. Für den ersten Prozesstag waren schon am Montagabend die ersten Polizeibeamten rund um den Hauptbahnhof im Einsatz gewesen. Der kurze Weg vom Bahnhof zum Gerichtsgebäude wurde großräumig mit Barrieren versperrt, durch die Kontrollpunkte kam vorerst keiner, der nicht im Justizgebäude arbeitet.

Die wenigen Zuschauer, die zugelassen wurden, warteten von der Polizei streng bewacht in einer Schlange an einer Absperrung im Regen, während im Inneren des Gebäudes ein Beamter den Sitzungssaal von einem Sprengstoffhund durchsuchen ließ. Bei Kontrollen in der Stadt konfiszierten die Beamten rund 40 als gefährlich eingestufte Gegenstände wie Messer oder Tränengas.

ddp

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