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Panorama Schwangere findet Retter aus dem Bataclan
Mehr Welt Panorama Schwangere findet Retter aus dem Bataclan
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15:02 18.11.2015
Ein "Le Monde"-Journalist filmte schreckliche Szenen vor dem Bataclan. Quelle: Le Monde
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Hannover

Das Video des "Le Monde"-Journalisten Daniel Psenny ging um die Welt. Der Beobachter filmt aus seinem Fenster, wie panische Menschen aus dem Notausgang des Bataclan fliehen, während im Innern der Konzerthalle Schüsse knallen. Tote liegen am Boden, ein Mann humpelt davon, ein anderer schleift einen Verletzten über den Asphalt. In der Mitte des Bildes hängt eine Frau am Fenstersims im zweiten Stock des Gebäudes, minutenlang klammert sie sich daran fest. Immer wieder ruft sie: "Hilfe, ich bin schwanger!" Ob jemand sie auffangen könne, wenn sie falle. Doch die Menschen, die sich in Sicherheit bringen, registrieren sie nicht. Dann die rettende Hand: Ein Mann erscheint am Fenster und zieht die Frau nach oben.

Achtung: Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Bilder des nachfolgenden Videos schockierende Wirkung haben können.

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Psennys Video mit den unwirklichen, dramatischen Szenen aus der Terrornacht von Freitag, 13. November, wird in der Netzwelt bald millionenfach gesehen und tausendfach geteilt. Die Geschichte der Frau ist damit nicht zu Ende erzählt. Weil sie ihren Retter im Chaos des Terrors aus den Augen verloren hatte, startete ihr Freund eine Twitter-Suche nach dem Mann, dem sie ihr und das Leben des ungeborenen Kindes verdankt. Sie wolle sich bei allen bedanken, die ihr geholfen haben, schrieb Frans Torreele auf dem Kurznachrichtendienst. „Vor allem dem Mann, der wertvolle drei Sekunden seiner Flucht für sie gab, um sie zurück ins Haus zu ziehen.“

Seine Bitte wurde knapp 2000-mal retweetet und erreichte den Retter. Die Frau, die öffentlich anonym bleiben will, konnte sich bei Sebastien bedanken. Sebastien, der Retter der schwangeren Frau, hatte sich selbst aus dem nebenliegenden Fenster gerettet und hielt sich an einem Rohr fest. In den französischen Medien erzählt er: "Ich war ungefähr 15 Meter über dem Boden. Die schwangere Frau bat mich, ihr hineinzuhelfen. Das habe ich getan."

Auch andere Menschen zeigten trotz akuter Lebensgefahr Mut. Zwei Streifenpolizisten, die als erstes am Konzertsaal waren, entschlossen sich, auf eigene Faust zu handeln. Sie warteten nicht auf das Spezialeinsatzkommando, sondern stürmten selbstständig den Saal. Wie die Polizeigewerkschaft dem Fernsehsender France Inter berichtete, haben sie auf die Terroristen geschossen und einen von ihnen getötet. Auch ein Mitarbeiter des italienischen Restaurants Casa Nostra stürzte sich unmittelbar in einer Feuerpause ins Freie, um dort zwei schwerverletzte Frauen ins Lokal zu ziehen. Während er dort die Blutungen zu stoppen versuchte, begann das Schießen von Neuem.

Auch für Sebastien war der Schrecken noch nicht vorbei, als er die schwangere Frau am Fenster in das Haus gezogen hatte, wie er später französischen Medien berichtete. Mit 14 anderen Menschen hätten die Terroristen ihn im Innern als Geiseln genommen. "Ich erlebte alle Gefühle: Hoffnung, aber auch die Akzeptanz des Todes, sogar wenn ich meine Augen schloss, um die Kalaschnikow nicht zu sehen, die in meine Richtung zeigte."

So lange, bis die französische Spezialeinheit das Bataclan stürmte. Sebastien überlebte. Auch der Frau und ihrem ungeborenen Kind soll es gut gehen.

Die Geschichte von Ludovic Boumbas hat dagegen kein Happy End. Als er mit Freunden im Pariser Café La Belle Epique sitzt, stürmen Terroristen das Lokal und eröffnen das Feuer – mehr als 100 Schüsse geben sie ab. "Ludo", wie in seine Freunde nannten, überlegt nicht lange. Er wirft sich vor eine junge Frau – und wird selbst getroffen. Die angeschossene Frau überlebt. Ihr Retter nicht. Eine Freundin von Ludovic Boumbas schrieb auf Facebook: "Er liebte das Leben - aber am meisten liebte er die Menschen."

Held von Paris: Ludovic Boumbas warf sich im Kugelhagel vor eine Frau. Quelle: Facebook

Von Sonja Fröhlich

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