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Panorama Harzer Schmalspurbahnen werden 125
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21:59 30.01.2012
Eine Dampflokomotive der Harzer Schmalspurbahnen fährt auf den 1142 Meter hohen Brocken bei Schierke im Nationalpark Harz.
 Eine Dampflokomotive der Harzer Schmalspurbahnen fährt auf den 1142 Meter hohen Brocken bei Schierke im Nationalpark Harz. Quelle: dpa
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Wernigerode

Die schwarz glänzende Lok wirkt wie ein schwerfälliges Ungetüm. Ihr geöffneter Kessel ähnelt einem Schlund, die Lampen erinnern an weit aufgerissene Augen und das knallrote Schiebeschild an einen Mund. Dampflok 99 7222 hat heute „Plantag“. Alle 30 Tage geht der Triebwagen für maximal zwei Tage in die Werkhalle und wird gepflegt. In der Fahrzeugwerkstatt des Bahnbetriebswerks der Harzer Schmalspurbahnen in Wernigerode prüfen Experten den mehr als 80 Jahre alten und 50 Tonnen schweren Koloss auf Herz und Nieren. Am nächsten Tag soll er wieder unterwegs sein – auf der Ein-Meter-Spur durch den Harz.

Die HSB betreibt das mit 140 Kilometern längste zusammenhängende Schmalspurstreckennetz in Deutschland. Im Jubiläumsjahr sollen Feste und Sonderfahrten Gratulanten locken und Nostalgiker begeistern. Die Vorbereitungen für das Jubiläum laufen. „Wir feiern von April bis September“, sagt HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener.

„An allen Endpunkten unserer drei Bahnen in Nordhausen, Wernigerode und Gernrode gibt es Bahnhofsfeste mit Ausstellungen, Präsentationen und Sonderfahrten.“ Allen drei Bahnen – Harzquerbahn, Brockenbahn und Selketalbahn – wird Genüge getan. „Wir haben auch andere Schmalspurbahnen eingeladen“, sagt Wagener. Klaus Zeidler streichelt Lok 99 7222 fast liebevoll. „Dieser Oldtimer fährt wie alle anderen jeden Tag an der Leistungsgrenze“, sagt der 44-Jährige, der bei der HSB die Abteilung Fahrzeugtechnik leitet. „Bei Wind und Wetter immer bergauf.

Man kann wirklich nicht sagen, dass wir die alten Ladys schonen.“ Zeidler lacht. „Wir sind eben mehr als eine Eisenbahn.“ Insgesamt 25 Dampflokomotiven der Baujahre 1897 bis 1956 hat das Unternehmen in seinem Besitz – Deutschlandrekord unter den Schmalspurbahnen. Zehn Diesellokomotiven und zehn Triebwagen komplettieren den Fuhrpark.

Auf dem Nebengleis in der historischen Werkhalle steht eine weitere Lok. Sie sieht mit ihrem gradlinigen Äußeren und der cremefarbenen Lackierung viel moderner aus. Und Schornsteine, aus denen mit einem lauten Zischen Dampf entweicht, hat sie auch nicht. „Das ist ein Dieseltriebwagen“, sagt Zeidler.

Außen steht noch ein baugleiches Modell auf dem Gleis und wartet auf eine Schönheitskur. Beide rollen schon seit 1995 durch den Harz. „Das sind ehemalige Triebwagen der Inselbahn Langeoog“, sagt Zeidler, der mehr als 40 Schlosser und zehn Auszubildende anleitet.

Triebwagen 187 001 kann historisch einen draufsetzen. In einer separaten Halle auf dem Werkstattgelände steht er: klein, kompakt und fast 90 Jahre alt. Zeidler verrät, dass ein hoher, fünfstelliger Betrag in seine Restaurierung geflossen ist. Mit grünen Stoffbänken, Linoleumbeplankung an den Wänden und einem Bollerofen in der Ecke kann man sich vorstellen, wie früher gereist wurde. Bei 30 Stundenkilometern war Schluss, und der Lokführer musste den ganzen Tag stehen. Heute bietet die HSB den Nostalgiewagen für Ausflüge an.

Nicola Zellmer 01.02.2012
30.01.2012