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Panorama Handwerker aus Ahrweiler startet Hilfeaufruf und erhält große Resonanz: „Wir haben Gänsehaut“
Mehr Welt Panorama Handwerker aus Ahrweiler startet Hilfeaufruf und erhält große Resonanz: „Wir haben Gänsehaut“
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19:03 20.07.2021
Eine Frau schiebt ihr Fahrrad durch den Schlamm in Ahrweiler. Anwohner und Ladeninhaber versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien.
Eine Frau schiebt ihr Fahrrad durch den Schlamm in Ahrweiler. Anwohner und Ladeninhaber versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien. Quelle: Thomas Frey/dpa
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Kurz nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat Elektrotechniker Dominik Tietz einen Hilfeaufruf über seinen Instagram-Kanal gestartet. Er richtet sich dabei an alle Handwerker in ganz Deutschland. Aufgrund der Überflutungen war der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz in weiten Teilen von der Stromversorgung abgeschnitten. „Das hier ist ein Hilferuf […]. Wir Handwerker müssen jetzt zusammenhalten“, appelliert der Elektrotechniker den Tränen nahe und bittet vor allem um die Bereitstellung von Material und Geräten. „Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes Land unter.“ Das Video hat in kürzester Zeit knapp 13.000 Aufrufe erzielt.

Tietz erhält daraufhin eine kaum zu bewältigende Menge an Nachrichten, wie er in seinem nächsten Instagram-Post berichtet. „Von Berlin bis zum Bodensee“ sei alles dabei. „Jeder will helfen“, erzählt er. Der Ahrweiler sei von der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Menschen „überwältigt“. „Wir haben Gänsehaut.“ Die Hilfe sei jedoch nicht nur „heute oder morgen“ notwendig, sondern „wahrscheinlich die ganzen nächsten Wochen“, sagt er. Besonders würden „Stromerzeuger, Baustromverteiler und Elektriker sowie Handwerker“ gebraucht. Auch in der Organisation vor Ort bräuchten sie Hilfe, betont der Elektriker.

Tietz beklagt fehlende Koordination

Doch trotz aller privaten Hilfe fühlt sich Tietz vom Krisenmanagement allein gelassen. „Wir können hier gerade selber wenig organisieren. Es ist einfach keine Schlüsselstelle da, die uns bei der Koordination unterstützt“, kritisiert er in einem nächsten Post. Auch am sechsten Tag nach den Überflutungen habe er mit „keinem Krisenstab, keinem Energieversorger gesprochen, der einem sagen kann, was zu tun ist“, sagt der Elektrotechniker.

Fassungslos sei er nach einem Gespräch mit der Bundeswehr gewesen. Diese sei auf ihn aufmerksam geworden, weil er die derzeit so notwendigen Baustromkästen gesammelt hätte und habe diese auch abgeholt. Auf die Frage hin, warum sie denn nicht ihr eigenes Material gebrauche, entgegnete die Bundeswehr, dass sie dieses „nicht dauerhaft im Krisengebiet zur Verfügung stellen könne“, berichtet Tietz. „Material, was wir Steuerzahler bezahlt haben. Unfassbar.“

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Wir stehen hier alleine auf weiter Flur.

Dominik Tietz,; Elektriker aus Ahrweiler

Der Ahrweiler versuche derweil, die Koordination der angebotenen Hilfe auf eigene Faust zu organisieren. „Wir stehen hier alleine auf weiter Flur“, betont Tietz. Mit dem Zentralverband der Elektroindustrie und Elektronikindustrie hätten sie bei einer Krisensitzung schon versucht, eine Lösung zu finden. Da es jedoch „keinerlei Hilfe von oben“ gebe, seien sie weiterhin auf jede Hilfe angewiesen.

RND/mhs

Der Artikel "Handwerker aus Ahrweiler startet Hilfeaufruf und erhält große Resonanz: „Wir haben Gänsehaut“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.