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Panorama Hamburg hat Abschied von Heidi Kabel genommen
Mehr Welt Panorama Hamburg hat Abschied von Heidi Kabel genommen
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22:55 25.06.2010
Der Intendant des Ohnsorg-Theaters, Christian Seeler, verbeugt sich vor dem Sarg der Volksschauspielerin. Quelle: dpa
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„Für die Hamburger war sie einfach nur: Uns Heidi! Ein herzlicher Ritterschlag, eine wunderbare Liebeserklärung“, sagte Ohnsorg-Intendant Christian Seeler. Am 15. Juni war die „berühmteste Hamburger Deern“ im Alter von 95 Jahren in einem Seniorenheim gestorben.

An den Eingängen der prachtvollen Barockkirche konnten sich die Trauergäste zwischen Autogrammkarten und weiß-roten Nelken in Kondolenzlisten eintragen. Auch der aufgebahrte mahagonifarbene Sarg im Vorraum der Kirche war mit rot-weißen Nelken bedeckt. Daneben ein Ölbild von Heidi Kabel in jungen Jahren. Vor dem Sarg lag ein Kranz der Kinder mit Lieblingsblumen der Schauspielerin: rosa Rosen und blauer Rittersporn. „Slaap goot, din Kinner“ stand auf den Schleifen. Zusammen mit Hauptpastor Alexander Röder und dem ehemaligen Michel-Pastor Helge Adolphsen betrat die Familie die Kirche: Tochter Heidi Mahler, die Söhne Jan Rasmus und Heiko Mahler und die fünf Enkelkinder mit ihren Ehefrauen.

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Nach Mozarts Requiem von Chor und Orchester St. Michaelis begrüßte Adolphsen die Trauergäste, darunter auch Prominente wie die Schauspieler Uwe Friedrichsen und Jan Fedder, die ehemaligen „Tagesschau“-Sprecher Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben sowie Regisseur Detlev Buck, in dessen Film „Hände weg von Mississippi“ die Volksschauspielerin eine letzte kleine Rolle hatte. „Heidi Kabel – ein klingender Name. Was für ein Leben!“, meinte Adolphsen. „Was ist das Geheimnis ihrer Erfolge, ihrer Beliebtheit? – Ein großes Ja, gegen das kein Nein ankommt! Das Geheimnis liegt darin, was ihr geschenkt wurde: die große Liebe zum Leben!“

„Wenn Sie geliebt werden wollen, müssen Sie zuerst die Menschen lieben, mit all ihren Schwächen!“ Dieser Satz sei Heidi Kabels Lebensmotto gewesen, sagte der Geistliche. „Sie trug ihr Herz auf der Zunge, auf Missingsch, op Platt. Viele konnten sich mit ihr identifizieren. Sie taten es, weil Heidi Kabel sich mit ihnen identifizierte“, meinte der ehemalige Michel-Pastor. „Es gibt für mich nichts Schöneres, als mein Publikum zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen zu bringen“, auch dieser Satz stehe für die Grande Dame des Volkstheaters. „Ihr war es immer ernst bei aller Heiterkeit.“ So habe sie auch drei kleine Kinder während des Krieges großgezogen, den frühen Tod ihres Mannes verkraftet und 40 Jahre lang alleine gelebt.

„Heidi Kabel hat uns aus der Seele gesprochen und gespielt“, meinte Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Bescheiden, bodenständig, mit einer großen Portion Humor sei sie eine Botschafterin Hamburgs in ganz Deutschland gewesen. „Tschüss und danke, Heidi Kabel“, sagte er stellvertretend für ihre Heimatstadt. „Die Klassiker mit Heidi Kabel bleiben ein Stück Fernsehgeschichte“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor und erinnerte an „Tratsch im Treppenhaus“, ein „Straßenfeger“. Der frühere Bürgermeister Henning Voscherau (SPD), ein Freund der Familie, würdigte die „große Menschendarstellerin“ und den bescheiden gebliebenen Star. „Heidi Kabel hob nie ab“, sagte Voscherau. „Heidi Kabel konnte alles – auf der Bühne und im Leben.“

Ihr Optimismus und ihre Natürlichkeit haben auch Prominente beeindruckt: „Ich habe sie nie beleidigt, sauer, böse, grantig erlebt. Sie war eigentlich immer liebenswürdig und sehr heiter“, sagte die ehemalige Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff. Schauspieler Uwe Friedrichsen fasste zusammen: “ Sie war einmalig! Und sie war – ohne diese abgenutzten Begriff jetzt strapazieren zu wollen – ungeheuer menschlich.“ Heidi Kabels Tochter Heidi Mahler trug der Trauergemeinde zum Abschluss das Gedicht „Harvst“ (Herbst) des plattdeutschen Dichters Johann Hinrich Fehrs vor. „Es war wunderschön, es war auch nicht tragisch“, sagte Mahler nach der Trauerfeier. „Meine Mutter war so ein fröhlicher Mensch, und so soll sie auch in Erinnerung bleiben.“

Auch zahlreiche Fans waren zur Trauerfeier gekommen. Einer hatte sogar sein Auto mit „Tschüss Heidi“-Plakaten bestückt. „Meine Verneigung vor einer großen Frau“, sagte der 47-jährige Hamburger: „Man konnte von ihr lernen, was hamburgisch ist: eine freche Klappe zu haben und jemandem die Meinung zu geigen, ohne ihn zu beleidigen.“

dpa