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Panorama Haitis Präsident befürchtet über 100.000 Tote
Mehr Welt Panorama Haitis Präsident befürchtet über 100.000 Tote
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23:40 13.01.2010
Das Erdbeben traf die Menschen völlig überraschend. Wie viele Menschen starben, ist noch unklar.
Das Erdbeben traf die Menschen völlig überraschend. Wie viele Menschen starben, ist noch unklar. Quelle: afp
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Mit fürchterlicher Wucht hat das schwerste Erdbeben seit über 200 Jahren den bitterarmen Karibikstaat Haiti getroffen. Der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive rechnet mit eine hohen Opferzahl. aDie Zahl der Toten könne „deutlich über 100.000“ liegen, sagte der Ministerpräsident am Mittwoch dem US-Nachrichtensender CNN und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass das nicht wahr ist.“ Es seien jedoch „so viele Gebäude, so viele Gegenden völlig zerstört“ worden, dass er mit der hohen Zahl von Opfern rechne. Gleichzeitig seien viele Menschen auf den Straßen, von denen nicht klar sei, wo ihr eigentlicher Wohnsitz sei.

Das Erdbeben der Stärke 7,0 ereignete sich am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 MEZ), die Lage war am Mittwoch in weiten Teilen des Landes noch vollkommmen unübersichtlich. Etliche Schulen und Hospitäler stürzten ein, von tausenden Häusern blieben nur Trümmer übrig. Während ihre Heimat im Chaos versank, suchten Überlebende in den Schuttmassen verzweifelt nach Angehörigen. Das Ausmaß der Katastrophe war am Mittwoch noch nicht abzuschätzen, das Rote Kreuz geht von drei Millionen Betroffenen aus, die Hilfe brauchen werden. In Deutschland und anderen Ländern liefen Hilfsmaßnahmen an.

Unter den Toten war auch der Chef der UN-Friedensmission in Haiti (MINUSTAH), der Tunesier Hedi Annabi. Er sei beim Einsturz des UN-Hauptquartiers getötet worden, teilte Préval mit. Die UNO in New York konnte Annabis Tod zunächst nicht bestätigen. Nach offiziellen Angaben starben bei dem Einsturz des Gebäudes mindestens 14 UN-Mitarbeiter, 56 weitere wurden verletzt.

"Hilfe ist angelaufen, Helikopter überall“

Die Leiterin des örtlichen Büros der Hilfsorganisation Care in Haiti, Sophie Perez, berichtet von zahlreichen eingestürzten Schulen: „Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, viele dürften noch unter den Trümmern liegen.“ Das Beben habe mehr als eine Minute gedauert. „Die Menschen schrien, weinten“, berichtet Perez. Bei Tagesanbruch sei zu sehen gewesen, dass die ganze Hauptstadt von der Zerstörung betroffen sei. „Die Hilfe ist angelaufen, Helikopter sind überall zu hören. Jetzt geht es darum, die Menschen aus den Trümmern zu befreien, sie mit Nahrung und Wasser zu versorgen“, wird Perez zitiert.

Vom Präsidentenpalast bis zu den Hütten in den Vorstadtslums stürzten tausende Gebäude ein, bei deren Bau sich in dem seit Jahren politisch instabilen Land kaum jemand um Vorschriften gekümmert hat. „Das Parlament ist eingestürzt und das Finanzamt, Schulen, Krankenhäuser“, sagte Präsident Rene Preval dem „Miami Herald“. „Es gibt eine Menge Schulen mit zahlreichen Toten darin.“

Auch das Hauptquartier der UN-Mission in Haiti stürzte ein, über 100 Menschen, darunter der Missionschef, wurden vermisst. Entgegen ersten Augenzeugenberichten ist der größte Flughafen Haitis laut UN noch voll funktionsfähig - eine wichtige Erleichterung für die anrollende internationale Hilfe.

Von Trümmern Erschlagene lagen auf den Straßen und Bürgersteigen, Schwerverletzte riefen nach ärztlicher Hilfe - doch die war kaum vorhanden. Hilfsorganisationen warnten, Haiti sei wegen seiner großen Armut nicht für eine derartige Katastrophe gerüstet.

Hilfe aus aller Welt

Die Bundesregierung stellte rund 1,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Hilfsorganisationen aus Deutschland und anderen Ländern stellten Lieferungen zusammen. Bundespräsident Horst Köhler übermittelte sein Beileid, US-Präsident Barack Obama sagte, seine Gedanken und Gebete seien bei den Menschen in Haiti. Papst Benedikt XVI. und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon baten um Hilfe für die Opfer.

Deutsche Hilfsorganisationen riefen die Bundesbürger zu Spenden für die Erdbebenopfer auf. Für erste Hilfsmaßnahmen stellt die „Aktion Deutschland Hilft“, ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen, aus seinem Nothilfefonds 100.000 Euro zur Verfügung. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bereitete den Einsatz eines mobilen Krankenhauses vor.

Mit einer Stärke von 7,0 war das Beben, das sich am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) ereignete, nach Angaben der US-Erdbebenwarte das schwerste in Haiti seit 1770. Das Zentrum lag 15 Kilometer westlich von Port-au-Prince in einer Tiefe von 8.000 Metern. Es gab mindestens sechs Nachbeben mit Messwerten von mehr als 4,5.

In der benachbarten Dominikanischen Republik, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt, wankten zwar Häuser, Berichte über Schäden in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion gab es aber nicht. Touristen waren nicht betroffen. Auch im Osten Kubas bebte die Erde.

ap/afp

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