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Panorama Haftbefehl gegen Ansbacher Amokläufer erlassen
Mehr Welt Panorama Haftbefehl gegen Ansbacher Amokläufer erlassen
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18:34 18.09.2009
Der 18-Jährige Amokläufer von Ansbach. Quelle: ddp
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Das sagte die Ansbacher Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger am Freitag. Das Motiv für den Amoklauf, bei dem der Täter zehn Menschen und damit einen mehr als bislang bekannt verletzt hatte, ist aber weiter unklar. Eine Ermittlungsrichterin erließ gegen den 18-Jährigen Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung.

Sein Testament hatte der Täter mit dem Datum “9/11“ versehen, dem Jahrestag der verheerenden Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001. Konkrete Hinweise auf den geplanten Amoklauf entdeckten die Ermittler darin laut Lehnberger allerdings nicht. Dagegen wertete die Oberstaatsanwältin die Aufschrift „Apocalypse Today“ auf dem Kalenderblatt vom 17. September als Hinweis darauf, „dass er die Tat geplant hatte“. Der Computer des Täters werde noch ausgewertet.

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Bei seiner Tat führte der 18-Jährige mehr Waffen mit als zunächst angenommen. Er sei nicht mit drei, sondern mit mindestens fünf Molotowcocktails, drei feststehenden und einem Butterflymesser sowie einem Beil mit einer Stiellänge von etwa 40 Zentimetern bewaffnet gewesen, sagte die Oberstaatsanwältin. Nach dem bisherigen Spurenbild habe er in jedes der betroffenen beiden Klassenzimmer nicht nur einen, sondern zwei Molotowcocktails geworfen.

Der Täter selbst, der nach dem Amoklauf durch mehrere Polizeikugeln verletzt worden war, konnte noch immer nicht befragt werden. Er musste am Freitagnachmittag laut Lehnberger ein weiteres Mal operiert werden. Sein Zustand sei stabil, sagte die Oberstaatsanwältin. Sie hoffe, dass der Haftbefehl dem 18-Jährigen noch am Wochenende eröffnet werden könne.

Lehnberger bestätigte Berichte, dass der Täter in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sei. Wie lange und aus welchem Grund müssten die weiteren Ermittlungen ergeben. Seine Eltern hätten bislang keine Aussage gemacht. Der junge Mann lebte bei seinem Vater. Zur Aufklärung der Tat wurde eine 25-köpfige Ermittlungskommission eingerichtet.

Die von dem Schüler durch einen Axthieb am Kopf verletzte 15-Jährige schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. Sie sei nach einer mehr als siebenstündigen Operation wieder auf dem Weg der Besserung, teilte das Klinikum Nürnberg mit. Die Jugendliche werde wie ihre gleichaltrige Mitschülerin, die durch einen Molotowcocktail schwere Brandverletzungen erlitten hatte, weiter auf der Intensivstation betreut. Darüber hinaus waren noch sieben weitere Schüler und ein Lehrer leicht verletzt worden.

Ein rund 30-köpfiges Kriseninterventionsteam betreute am Freitag zahlreiche Schüler in der Turnhalle des Gymnasiums. Etwa 150 Kinder und Jugendliche versammelten sich, Seelsorger und Psychologen boten Gruppen- und Einzelgespräche an. Die Stimmung sei sehr ernst, viele Schüler lägen sich in den Armen, einige weinten, schilderte Notfallseelsorger Thomas Barkowski. „Viele realisieren erst schrittweise, was wirklich passiert ist.“

Regulärer Unterricht wird an dem Gymnasium auch am Montag nicht stattfinden. Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) kündigte ein freiwilliges psychologisches Betreuungsangebot für die Schüler an. Die Stadt Ansbach richtete eine Notrufhotline für Betroffene ein, die Schülern, Eltern und Lehrern auch am Wochenende zur Verfügung stehen wird. Für Sonntagabend ist in Ansbach außerdem ein ökumenischer Gottesdienst geplant.

ddp