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Panorama Häftlinge und Wärter unterschlagen 46 Kilo Fleisch
Mehr Welt Panorama Häftlinge und Wärter unterschlagen 46 Kilo Fleisch
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06:00 18.03.2017
Quelle: Holger Hollemann/dpa
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Celle

Zuerst berichtete die Gefangenenzeitung „Damokles“ über die „Schnitzeljagd“ in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Celle. Die „Bild“ schrieb dann von einem „pikanten Fall von Mundraub“. Der Celler Oberstaatsanwalt Lars Janßen schließlich sprach am Freitag ganz nüchtern vom Vorwurf der Unterschlagung, den seine Behörde gegen mehrere Häftlinge und einen Gefängnismitarbeiter richtet. „Wir haben Anklage gegen acht Strafgefangene und einen Bediensteten erhoben“, wobei dem Wärter Beihilfe zur Unterschlagung vorgeworfen wird.

46 Kilogramm abgezweigt

Die Angeschuldigten sollen „überwiegend Schweinefleisch“ aus der Gefängnisküche für sich abgezweigt haben. Zum Teil sollen sie es zu Würsten „für den eigenen Verzehr und den Verkauf“ weiterverarbeitet haben. Der Justizbeamte soll dabei geholfen haben. Er leitet offenbar die Küche im Celler Gefängnis.

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Bei einer Überprüfung privater Gefrierfächer der Gefangenen auf den Stationen fiel das Vorgehen schließlich auf. Untertitel der „Damokles“: „Soko Schnitzel ermittelt“. Oberstaatsanwalt Janßen zählte am Freitag auf, worum es in der Anklage geht: 30,9 Kilogramm Fleisch, 10,3 Kilogramm Bratwürste und 4,7 Kilogramm Mettenden - macht zusammen 46 Kilogramm.

In Celle sitzen nur Strafgefangene, die zu fünf Jahren Haft oder mehr verurteilt wurden - die ganz schweren Jungs also. Unter den jetzt Angeklagten sollen sich so „prominente“ Häftlinge befinden wie einer der Männer, die im Jahr 2007 in Sittensen (Kreis Rotenburg) sieben Menschen in einem China-Restaurant töteten, oder auch ein 41-Jähriger, der 2012 in Marienwerder eine Rentnerin erschlug.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens hat der zuständige Richter am Amtsgericht Celle noch nicht entschieden.

Karl Doeleke 20.03.2017