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Panorama Gutachter gehen Geisterfahrt nach
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08:04 21.11.2012
Der Bund und Bayern starteten das Pilotprojekt Ende 2010, große Schilder warnen seit dem an ausgewählten Autobahnabschnitten und sollen Geisterfahrten vermeiden. Quelle: dpa
Wiesbaden

Der Straßenverkehr in Deutschland wird wieder sicherer: Nachdem die Zahl der Verkehrstoten 2011 ungewöhnlich angestiegen war, ist sie zuletzt auf den niedrigsten Stand seit fast 60 Jahren gesunken. 2762 Menschen starben von Januar bis Ende September 2012 auf den Straßen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Das waren 6,3 Prozent weniger als im ersten dreiviertel Jahr 2011. Fachleute raten aber zur Vorsicht. Schlimme Unfälle wie ein Geisterfahrer-Crash mit sechs Toten am Sonntag belegen die bestehende Gefahr.

Bei ihren Ermittlungen nach dem Falschfahrer-Unfall von Offenburg erhofft die Polizei neue Erkenntnisse von den Sachverständigen und einer Obduktion der Leichen. Die Gutachten der Rechtsmediziner und von Verkehrsexperten müssten zunächst abgewartet werden, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Sie sollten helfen, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Zudem soll geklärt werden, ob der 20 Jahre alte Falschfahrer betrunken war oder unter dem Einfluss von Drogen stand. Er hatte am Sonntagmorgen auf der Autobahn 5 einen Unfall verursacht, bei dem sechs Menschen starben.

Zum besseren Schutz vor Geisterfahrer-Unfällen auf Autobahnen prüft das Bundesverkehrsministerium neue Warnmethoden mit Schildern und Fahrbahnmarkierungen. Aus einem seit 2010 laufenden Pilotversuch in Bayern werden zum Jahresende erste Zwischenergebnisse erwartet, wie ein Sprecher in Berlin erläuterte. Danach sei zu untersuchen, ob und in welcher Form solche Instrumente womöglich in ganz Deutschland ausgeweitet werden sollten.

Experten mahnten trotz der sinkenden Zahl von Verkehrstoten zu einem „unfallverhütenden Fahrstil“. 2011 war die Zahl der Verkehrstoten am Ende erstmals seit 20 Jahren wieder gestiegen, und zwar um zehn Prozent auf 4009. „Wir müssen den Winter noch abwarten“, sagte Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat zu dem neuen Trend. Er appelliert an die Autofahrer, vorsichtig zu fahren. Vor einem so tragischen Unfall wie dem des Geisterfahrers am Sonntag bei Offenburg sei niemand ganz gefeit.

„Wer sich aber immer anschnallt, keinen Alkohol trinkt und mit angepasster Geschwindigkeit fährt, tut für seine Sicherheit eine ganze Menge.“ Wer die Straße zudem als sozialen Raum sehe und stets möglichst gelassen reagiere, habe einen „hohen Sicherheitsgewinn“. Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa meinte: „Die Aussicht auf eine humane Verkehrswelt ist besser geworden.“ Als Beispiele nannte er Autos mit größeren Knautschzonen, optimierte Fahrzeugtechnik und die moderne Rettungsmedizin.

Weniger Toten und Verletzten standen in der Statistik des Bundesamtes mehr Unfälle gegenüber: Rund 293 300 Auto-, Zweiradfahrer und Fußgänger wurden demnach in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei Verkehrsunfällen verletzt. Das waren 0,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zugleich nahm die Polizei aber etwas mehr Unfälle auf: rund 1,74 Millionen (plus 1,0 Prozent). „Die Schere geht also auseinander“, sagte Hillgärtner.

In Sachen Geisterfahrten untersucht die Bundesanstalt für Straßenwesen in einer Studie, wie viele Falschfahrer es tatsächlich gibt und was die Ursachen und Begleitumstände sind. Ziel ist, versehentliche Falschfahrten zu verhindern. Dagegen gilt es als kaum möglich, vorsätzliche Geisterfahrer durch Warnhinweise zu stoppen. Im Verkehrsfunk werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums jährlich rund 1700 Geisterfahrer gemeldet. Der ADAC nennt hingegen die Zahl von 2800 gemeldeten Geisterfahrten pro Jahr.

dpa

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