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Panorama Ein Dorf wehrt sich gegen die Rocker
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21:21 31.08.2014
Von Ulrich Schubert
„Die haben noch nie was gemacht“: Der Wirt des Landgasthofs Lindhorst verteidigt seine Gäste, die anständig für Krustenbraten und Saal zahlten. Quelle: Pförtner
Gütersen

Acht Stunden lang herrschte Ausnahmezustand im Ort mit zugeparkten Straßen, martialisch erscheinenden Wachposten vor einem Gasthof, Polizisten auf Beobachtungsposten sowie verbalen Drohungen - und protestierenden Dorfbewohnern mit einer Mischung aus Angst und Entschlossenheit in ihren Gesichtern.

Mehr als 120 Mitglieder des Motorradclubs hatten sich im Landgasthof Lindhorst getroffen, unweit eines als Boxclub geführten Hells-Agels-Clubhauses im Nachbarort Adelebsen. Zum vierten Mal seit Jahresbeginn waren die Motorradrocker jetzt nach einer mehrmonatigen Pause da.

„Wir wollen die hier nicht haben“, sagt ein Mitglied des Ortsrates. „Solche Kriminellen haben im Dorf nichts zu suchen“, sagt ein Bewohner. Ihre Namen wollen sie nicht nennen, sie haben Angst um sich und ihre Familien. Und dennoch kommen immer mehr im alten Spritzenhaus gleich neben der Kneipe zusammen: eine spontan organisierte Renovierungsparty mit lautem Kettensägeneinsatz, „um couragiert Flagge zu zeigen“. Sie alle sehen die Hells Angels als eine rücksichtslose kriminelle Organisation. Auch an diesem Morgen seien mehrere Bürger massiv bedroht worden, als sie sich den Autos der Rocker in den Weg stellen wollten, erzählt eine Frau.

Spontane Telefonkontakte zum Innenministerium liefen ins Leere, ebenso der Hilferuf an den Landkreis Göttingen. Kreisordnungsdezernentin Christel Wemheuer eilte zwar sofort nach Güntersen und diskutierte mit der Polizei, räumte dann aber ein: „Wir haben leider keine Handhabe.“ Nur gegen falsch geparkte Fahrzeuge am Straßenrand könne rechtlich vorgegangen werden, das habe die Polizei in die Wege geleitet. Der Landkreis sei aber entschlossen, „alle möglichen Wege zu gehen“, um weitere Treffen der Hells Angels in dieser Region zu verhindern und die Günterser zu unterstützen. Das Problem müsse allerdings landesweit betrachtet werden, so Wemheuer.

Offenbar traf sich am Sonnabend auch der bekennende Göttinger Nationalsozialist Mario Messerschmidt kurzzeitig vor der Gaststätte mit Mitgliedern des Clubs. Messerschmidt ist Vorstandsmitglied der rechtsextremen Partei Die Rechte auf Bundesebene.

Warum sich die Hells Angels in Güntersen treffen, ist nicht bekannt. Der HAZ gegenüber wollte sich kein Mitglied dazu äußern. Auch der Gastwirt schweigt zu dieser Frage. Er könne aber die Aufregung nicht verstehen, sagt Günter Lindhorst: „Warum haben die Angst, die haben doch noch nie was gemacht“, nimmt er seine Gäste in Schutz. Die Hells Angels meldeten sich kurzfristig an und bezahlten für Krustenbraten, Hähnchenbrustfilet, Gemüse, Kartoffeln, Eis und Saal anständig. Für ihn sei das vor allem eine Geldfrage.

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