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Panorama Griechische Insel Euböa: Nach den Waldbränden droht die nächste Katastrophe
Mehr Welt Panorama Griechische Insel Euböa: Nach den Waldbränden droht die nächste Katastrophe
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17:58 07.10.2021
Die Feuer auf der Insel Euböa hinterließen verbrannte Flächen.
Die Feuer auf der Insel Euböa hinterließen verbrannte Flächen. Quelle: imago images/ANE Edition
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Athen

Griechenland erlebt in diesen Tagen die ersten schweren Herbstgewitter. Besonders besorgt blicken die Menschen auf der Insel Euböa in den Himmel. Nach den verheerenden Waldbränden vom August drohen dort jetzt Schlammlawinen und Überflutungen.

Vor zwei Monaten wurden die letzten Flammen gelöscht, aber der bittere Brandgeruch liegt immer noch in der Luft im Norden der griechischen Insel Euböa. In der ersten August-Woche fegte hier ein gewaltiger Feuersturm durch die Wälder. Eine Fläche von 50.000 Hektar verbrannte. Tausende Familien wurden obdachlos und verloren ihre wirtschaftliche Existenz. Die meisten Bewohner hier lebten vom Wald, sie züchteten Bienen oder gewannen das wertvolle Harz der Kiefern. Die einst dicht bewaldeten Berge im Norden Euböas gleichen heute einer Mondlandschaft: Schwarze Baumgerippe ragen in den Himmel, ein grauer Ascheteppich bedeckt die Erde.

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Sturmwarnung herausgegeben

Jetzt wächst in der Brandregion die Angst vor einer zweiten Katastrophe. Von Westen zieht über die Adria die erste große Gewitterfront dieses Herbstes nach Griechenland. Der Wetterdienst gab eine Sturmwarnung heraus. Am Donnerstag erreichte die Front mit starken Regenfällen die ionischen Inseln und die Westküste der Halbinsel Peloponnes. Fährverbindungen waren wegen des Sturm unterbrochen. Auf der Insel Korfu mussten mehrere Flugzeuge wegen des Unwetters den Anflug abbrechen und Ausweichflughäfen ansteuern. An diesem Freitag soll das Tief Athen erreichen und dann über die östlich der Hauptstadt gelegene Insel Euböa ziehen.

Wolkenbrüche könnten dort zu Überschwemmungen führen, weil es in den abgebrannten Wäldern keine Vegetation mehr gibt, die den Regen absorbieren kann. Bei starken Niederschlägen droht nicht nur den dort gelegenen Ortschaften Flutgefahr. Wenn der Regen das Erdreich wegspült und das Wasser nicht versickern kann, schwinden auch die Chancen auf eine Regenerierung der Wälder – ein Teufelskreis.

Im vergangenen Jahr starben acht Menschen in Fluten auf Euböa

Zwar haben Waldarbeiter schon im August begonnen, abgebrannte Bäume zu fällen und die Stämme an den Abhängen querzulegen, um Wasserfluten zu bremsen. Aber das Brandgebiet ist 500 Quadratkilometer groß, und die Arbeiten kommen in dem unwegsamen Gelände nur langsam voran.

Wissenschaftler der Universität Athen haben in einer Studie jene Gebiete ausgewiesen, die jetzt besonders flutgefährdet sind. Dazu gehören die Ortschaften Rovies, Neochori, Krya Vrisi, Vasilika, Artemisio und Istiaia.

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Euböa bildet mit seinen über 1000 Meter hohen Bergen eine natürliche Barriere, an der sich die aus Westen heranziehenden Wolken abregnen. Die Niederschläge können sehr heftig sein. Am 9. August 2020 fielen auf Euböa innerhalb von nur acht Stunden 297 Millimeter Regen – mehr als halb so viel wie sonst in einem ganzen Jahr. Acht Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Die Menschen in den Brandgebieten decken mit Schrecken an die Katastrophe zurück – und hoffen inständig, dass sie sich jetzt nicht wiederholt.

Von Gerd Höhler/RND

Der Artikel "Griechische Insel Euböa: Nach den Waldbränden droht die nächste Katastrophe" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.