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Panorama Gorbatschow feiert Geburtstag mit Preisvergabe
Mehr Welt Panorama Gorbatschow feiert Geburtstag mit Preisvergabe
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12:44 31.03.2011
Ungezwungen unterhalten sich Michail Gorbatschow (v.l.), der ehemalige israelische Ministerpräsident Shimon Peres und US-Schauspielerin Sharon Stone während der Feier in London.
Ungezwungen unterhalten sich Michail Gorbatschow (v.l.), der ehemalige israelische Ministerpräsident Shimon Peres und US-Schauspielerin Sharon Stone während der Feier in London. Quelle: dpa
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Mit Glanz, Glamour, prominenten Gästen und einer neuen Auszeichnung für weltverändernde Menschen hat Michail Gorbatschow in London seinen 80. Geburtstag gefeiert. Zu der aufwendig ausgestatteten Feier in der berühmten Royal Albert Hall kam eine illustre Besucherschar. Neben politischen Wegbegleitern wie dem israelischen Präsidenten Shimon Perez machten zahlreiche Stars aus Film und Musik ihre Aufwartung.

Schauspielerin Sharon Stone und ihr Kollege Kevin Spacey führten durch den Abend, bei dem Spenden für die Krebshilfe gesammelt wurden. Arnold Schwarzenegger sagte, Gorbatschow sei „einer seiner großen Helden“. Die Band The Scorpions spielte ihren Hit „Wind of Change“, begleitet vom London Symphony Orchestra. Im Hintergrund liefen dazu Videobilder vom Mauerfall.

Schon in den ersten zehn Minuten der Gala hatte es zweimal stehende Ovationen für Gorbatschow gegeben, der sich davon sichtlich bewegt zeigte. Die Gala war unter anderem von seiner Tochter organisiert worden. Er habe erkannt, dass es ein „Geschenk des Schicksals“ gewesen sei, dass er etwas für die Menschen in seinem Land und der ganzen Welt habe tun können, sagte Gorbatschow. „Ich musste erkennen, dass ich ein Mensch bin, der sehr viel Glück hatte.“

In seinem Heimatland ist „Gorbi“, wie ihn viele am Abend liebevoll nannten, bis heute umstritten. Im Westen wird er als Vater der deutschen Wiedervereinigung gesehen, der mit seiner politischen Offenheit den Kalten Krieg beendete und die Welt veränderte. Zwar war er auch in Russland zum 80. geehrt worden - allerdings lang nicht so prachtvoll wie in London.

In die Royal Albert Hall waren zahlreiche seiner Landsleute gekommen. Neben bewegenden Augenblicken war aber auch Pathos und ein wenig Druck auf die Tränendrüse dabei. Im Mittelpunkt allerdings stand der neue Preis, der in den drei Kategorien von Gorbatschows politischem Wirken vergeben wurde: „Perestroika“ für „Beiträge zur Entwicklung der weltweiten Zivilisation“, „Glasnost“ für „Beiträge zur Entwicklung der Kultur und für eine offene Welt“, „Uskorenie“ für „Beiträge zur Entwicklung moderner Wissenschaft und Technik“.

„Glasnost“ ging an den US-Geschäftsmann und CNN-Gründer Ted Turner. Für seine Entwicklung einer Solarlampe, die kostenlos an Tausende Menschen in Kenia verteilt wurde, bekam der kenianische Ingenieur Evans Wadongo den Preis in der Kategorie „Uskorenie“. Nominiert gewesen war auch der deutsche Philosoph Jürgen Habermas.

Der Erlös des Abends - etwa aus dem Kartenverkauf - war für eine britische und eine russische Krebsstiftung bestimmt. Nach einem Bericht der Zeitung „The Times“ rechneten die Organisatoren mit rund 5 Millionen Pfund (5,7 Mio Euro) für den guten Zweck.

Der „Times“ zufolge hatte unter anderem der russische Milliardär Alexander Lebedew die Organisatoren vorab kritisiert, weil zu viel Geld für die Gala selbst ausgegeben werde. Ihm zufolge soll die Feier bis zu 4 Millionen Pfund gekostet haben. Er habe deshalb eine weitere Geburtstags- und Spenden-Veranstaltung für Gorbatschow im Juni auf die Beine gestellt, sagte er der Zeitung.

dpa