Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Giftgasgranaten bleiben in der Nordsee
Mehr Welt Panorama Giftgasgranaten bleiben in der Nordsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:02 11.02.2010
Aufruhr in Helgoland: Der Bürgermeister sorgt sich um die Auswirkungen auf den Tourismus auf der Insel. Quelle: Handout
Anzeige

Die Gefahr sei zu groß, dass die Granaten dabei explodieren könnten. Stattdessen empfiehlt das Innenministerium ein Fischereiverbot in dem Gebiet. Außerdem forderte er die Bundesmarine auf, ihre Übungen dort einschränken.

Die mit dem Nervenkampfstoff Tabun gefüllte Munition war im September 1949 auf Anweisung der Britischen Militärverwaltung aus Diepholz an die Küste gebracht und etwa vier Kilometer südlich von Helgoland versenkt worden. Die Nordsee ist dort zwischen 45 und 55 Meter tief. Insgesamt sollen damals rund 90 Tonnen Feldartilleriegranaten mit 11,7 Tonnen Tabun im Meer versenkt worden sein.

Anzeige

Helgoland war damals unbewohnt und sollte nach dem Willen der Briten nur noch als Übungsziel für Kampfflugzeuge dienen. Erst 1952 wurde Helgoland wieder besiedelt und entwickelte sich seither zu einem beliebten Touristenziel.

„Es klingt paradox, aber die Granaten werden richtig gefährlich, wenn man versuchen wollte, sie zu beseitigen“, sagte Dornquast. Rund 60 Jahre nach Kriegsende dürften die über eine größere Fläche verteilten Giftgasgranaten in einem „problematischen Zustand“ sein. Wenn sie dagegen im Meer bleiben, geht von ihnen nach Ansicht der Experten keine konkrete Gefahr aus. Es gelte als sicher, dass der Kampfstoff bereits aus den meisten Granaten ausgewaschen wurde, sagte Dornquast. Tabun ist wasserlöslich.

Im vergangenen Jahr hatten Schiffe mehrere Erkundungsfahrten unternommen, um die Stelle zu untersuchen. Seitdem hat der Kampfmittelräumdienst nach Angaben des Innenministeriums „keine vernünftigen Zweifel“ mehr daran, dass die Granaten dort versenkt wurden. Taucher waren aber noch nicht am Meeresboden. Für Videoaufnahmen sei die Hilfe des Bundes nötig, sagte Dornquast.

Nach Angaben von Meeresbiologen sind in den Seekarten rund 30 Orte verzeichnet, an denen in deutschen Küstengewässern Kriegsmunition versenkt wurde. Dazu kommen etwa 30 weitere Verdachtsfälle. Insgesamt liegen Hunderttausende Tonnen Waffen und Munition auf dem Meeresgrund von Nord- und Ostsee und rosten vor sich hin. Allein vor der Küste Niedersachsens vermuten die Experten fast eine Million Tonnen.

Frank Botter, Bürgermeister der Nordseeinsel, macht sich Sorgen um mögliche Auswirkungen auf den Tourismus: „Munitionsfunde vor Helgoland sind nicht selten. Wenn es sich aber um Giftgasgranaten handelt, wird auch ein Bürgermeister von Helgoland nervös.“

afp/dpa