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Panorama Geringe Bereitschaft zur Impfung gegen Schweinegrippe
Mehr Welt Panorama Geringe Bereitschaft zur Impfung gegen Schweinegrippe
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15:27 07.12.2009
Deutsche lassen sich zu wenig impfen.
Deutsche lassen sich zu wenig impfen. Quelle: ddp
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Laut Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) haben sich 15 Prozent der Ärzteschaft und schätzungsweise fünf Prozent der Bevölkerung gegen die Neue Grippe impfen lassen. Wie der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, sagte, wurden bislang fünf bis sechs Millionen Dosen verimpft. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin zufolge wurden bisher rund 190.000 Schweinegrippe-Infizierte in Deutschland gemeldet. 86 Menschen seien gestorben. Etwa 85 Prozent der Toten wiesen Vorerkrankungen auf, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker.

Rösler riet erneut zum Impfen. Auch wenn der Scheitelpunkt der aktuellen Welle offenbar überschritten sei, dürfe die Gefahr der Krankheit nicht verharmlost werden, sagte Rösler am Montag nach dem zweiten Impfgipfel mit Vertretern der Krankenkassen, der Kinder- und Jugendärzte sowie der Bundesärzteschaft in Berlin. In Süddeutschland gehe die Zahl der Infektionsfälle zurück, jedoch im Osten, beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, würden steigende Fallzahlen gemeldet, fügte Hacker hinzu. Zudem könne es im Frühjahr eine weitere Welle der Neuen Grippe geben.

Hartmann sagte: „Bisher hat es durch das Impfen keinen einzigen Todesfall in Deutschland gegeben.“ Obwohl die Grippe wesentlich harmloser verlaufe als befürchtet, empfiehlt er eine Impfung auch bei Kindern ab dem sechsten Monat.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Christoph Fuchs, kritisierte die fehlende Impfbereitschaft beim medizinischen Personal. Dies gefährde nicht nur die Ärzte selbst, sondern auch die Patienten, sagte er. Es gebe eine “überraschend hohes Maß an Unsicherheit nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch beim medizinischen und Pflegepersonal.“ Er räumte in diesem Zusammenhang „ernsthafte Kommunikationsprobleme“ vor Beginn der Impfung ein.

Ein Teil der von den Bundesländern bestellten 50 Millionen Dosen des Impfstoffes Pandemrix soll an bedürftige Staaten verschenkt werden, berichtete unterdessen das Bielefelder „Westfalen-Blatt“ in der Montagausgabe. Es sei durchaus sinnvoll, im Rahmen der Entwicklungshilfe überzähligen Impfstoff abzugeben, sagte der Staatssekretär im thüringischen Gesundheitsministerium, Hartmut Schubert. Eine entsprechende Anfrage aus Afghanistan liege bereits vor. Auch der Verkauf von Pandemrix sei möglich. Derzeit gebe es Überlegungen, die Pandemrix-Produktion des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline aus der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr der Ukraine zu überlassen. Minister Rösler bestätigte in Berlin, die Charge von 2,2 Millionen Dosen werde anderen Staaten angeboten.

Bis Ende November wurden den Angaben zufolge 9,6 Millionen Impfdosen geliefert. Davon wurden lediglich 4 bis 5,8 Millionen Dosen verimpft. Bis Ende Dezember sollen 20 Millionen Impfdosen geliefert werden. Erst Ende März soll die komplette Lieferung der 50 Millionen Dosen erfolgt sein.

ddp