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Panorama Gericht urteilt heute über Lenas Mörder
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09:32 07.11.2012
Von Karl Doeleke
Am Mittwoch wird das Urteil gegen den Mörder der elfjährigen Lena aus Emdne erwartet. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Aurich

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der elfjährigen Lena aus Emden wird heute das Urteil des Landgerichts Aurich erwartet. Ein inzwischen 19-Jähriger ist angeklagt, das Mädchen am 24. März in einem Parkhaus in der Emder Innenstadt zunächst vergewaltigt und dann getötet zu haben. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes drohen ihm zehn Jahre Gefängnis nach Jugendstrafrecht. Sollte der zur Tatzeit 18-Jährige nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, müsste er wohl lebenslang in Haft.

Lena war von einem Ausflug nicht nach Hause zurückgekehrt. Noch am selben Abend wurde die Leiche des erwürgten Mädchens in dem Parkhaus gefunden. Die beunruhigten Eltern hatten sein Fahrrad vor dem Parkhaus entdeckt.

Viel mehr ist vom Hergang der Tat bisher nicht bekannt, da die Öffentlichkeit von Beginn an von dem bemerkenswerten Verfahren ausgeschlossen war. Eine der Ungewöhnlichkeiten ist zum Beispiel die Schweigeminute, zu der der Vorsitzende Richter Werner Brederlow vor Anklageverlesung aufgerufen hatte - die Strafprozessordnung kennt so etwas nicht. Sollte das Urteil heute öffentlich begründet werden, könnten einige bisher offene Fragen beantwortet werden. Die dringendste lautet: Könnte Lena noch leben, wenn es nicht eine Reihe von Behördenpannen gegeben hätte?

Im Urteil wird auch über die Schuldfähigkeit des jungen Mannes entschieden. Der 19-Jährige war im Laufe der Verhandlung aus der Untersuchungshaft in die Psychiatrie verlegt worden. Sollte er als nicht oder nur vermindert schuldfähig eingestuft werden, dürfte er dort für längere Zeit bleiben. Die Tötung des Mädchens hat der Angeklagte gestanden. Zum Vorwurf der Vergewaltigung beruft er sich auf Erinnerungslücken.

David H. will sich auch nicht an die versuchte Vergewaltigung einer Joggerin am 24. November 2011 erinnern. Ein DNA-Abgleich mit Spuren aus dem Parkhaus belastet David H. schwer. Er war erst kurz zuvor aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen worden, wo er wegen seiner pädophilen Neigung in Behandlung war. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt gegen den Leiter der Klinik im Emsland wegen fahrlässiger Tötung. Die Frage lautet, ob der Angeklagte hätte entlassen werden dürfen und ob man dem Arzt das ankreiden kann.

Aber auch die Polizei muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie die Tat nicht hätte verhindern können. Einen Tag vor dem Überfall auf die Joggerin am 24. November hatte sich David H. selbst bei der Polizei angezeigt. Er hatte im Jahr zuvor eine Siebenjährige nackt fotografiert und war dabei von seiner Mutter erwischt worden. Im Anschluss an seine Therapie ging er damit zur Polizei.

David H. war also längst bei der Polizei aktenkundig. Die Beamten ermittelten aber nur wegen Besitzes von kinderpornografischen Bildern auf seiner Festplatte. Den Jungen hatte sein Stiefvater im Laufe der Therapie bei der Polizei angezeigt. Der schwerere Vorwurf des sexuellen Missbrauchs der Siebenjährigen blieb im Hintergrund. Ein Durchsuchungsbeschluss für David H.s Wohnung blieb auch aus dem Grund monatelang unbearbeitet. Ein Disziplinarverfahren gegen acht Polizisten läuft noch.

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